Festival: Big Science
Zuschauer sitzen am Boden oder stehen lose herum, zwischen ihnen bewegen sich leicht bekleidete junge Menschen, mustern einander, ziehen sich schließlich vorsichtig aus. Sie bieten einander das Hinterteil dar, bewegen sich rückwärts durch den Raum, während sie zugleich den Po eines anderen neugierig fixieren. In seiner namenlosen Performance kümmert sich das brasilianische Künstlerkollektiv Macaquinhos («Äffchen») um das Loch, um den von unserer phallozentrischen Gesellschaft verschmähten Anus.
Sechzig Minuten lang werden sich die zehn Performer zwischen den Zuschauern hindurchbewegen und dabei stets eine Gemeinschaft bilden, stets zugleich Objekt sein, das sich an- und darbietet, und Subjekt, das den Po seines Nächsten bestaunt oder befingert. Grenzen werden dabei touchiert, aber nicht überschritten, und in der zarten, konzentrierten Neugier bleibt alles recht sicher. Das wäre völlig in Ordnung, wollten die Macaquinhos nicht laut Programmheft «Wissensproduktion, Deutungshoheit und nicht zuletzt die soziale Konstruktion von Körper und Kunst» hinterfragen.
Sehr viel politischer Wille für recht einfach gestrickte künstlerische Arbeiten, das ist wohl die Leitlinie des «Projeto ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Esther Boldt
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Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 24. August wieder erreichbar.
Das Jahrbuch Theater 2016 erscheint am 26. August...
Lauter gute Menschen: Der 70-jährige österreichische Rentner, der Flüchtlinge im Asylverfahren berät und zur Not auch aus dem Abschiebevollzug holt. Die 80-jährige Schweizerin, die seit Jahrzehnten gegen die dortige Asylpolitik kämpft und sich darüber eine Art Adoptivfamilie aufgebaut hat. Die energische Studienrätin, die für ihre Schützlinge gegen das Jugendamt...
