Feldforschung in Heinersdorf
Der gegenwärtige Stand: ein Konvolut von über dreihundert eng beschriebenen Seiten –
Gesprächsprotokolle, Einblicke in Lebensläufe, mitgebracht von einer mehrwöchigen Forschungsreise in den Alltag rund um eine innerstädtische – nein: randstädtische – Brachfläche, deren Bebauungspläne zu heftigen Auseinandersetzungen führten. Die Aufregung geriet so groß, dass nicht nur deutschlandweit die Medien berichteten, sondern kurzzeitig Reporter aus der ganzen Welt angelockt wurden.
Was war passiert? Das lokale Bezirksamt hatte das billige Bauland, gelegen zwischen Fast-Food-Restaurant und Shell-Tankstelle in der Nähe eines Autobahnzubringers, einer muslimischen Gemeinde zugesprochen, die sich auf der Suche nach einem Ort für ein neues Gotteshaus befand. Die Anwohner reagierten aufgebracht, schlossen sich in einer Bürgerinitiative zusammen, demonstrierten Hand in Hand mit Lokalpolitikern verschiedener Couleur und skandierten: «Wir sind das Volk!» Eine zweite Bürgerinitiative wurde gegründet, die gegen die erste Bürgerinitiative in Stellung ging, Zeitungen berichteten von schwelender Pogromstimmung. Schließlich wurden Brandsätze gelegt. Ein realer Fall. Ereignet hat er sich 2006 im bis ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 180
von Judith Gerstenberg
Die Proben haben begonnen, und Nina Hoss und Susanne Wolff stehen für die erste Szene von «Öl» auf der Bühne. Wie aber der Schluss von Lukas Bärfuss’ neuem Stück aussieht, wissen wir nicht. Es ist noch nicht fertig. Was auf dem Theater ein ungewohntes, irritierendes Gefühl ist, kennen wir aus dem Leben nur allzu gut. Wir wissen selten, wohin etwas führt, wie es...
In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein...
Birgit Minichmayr hat die Kritikerinnen und Kritiker in dieser Saison klar überwältigt: Die mit großer Stimmenmehrheit gewählte Schauspielerin des Jahres dürfte es gewohnt sein, dass Männer vor ihr in Andacht verfallen. Eine Auswahl.
Kathleen Morgeneyer kannte Tschechows «Die Möwe» nicht, bevor sie die Nina in Jürgen Goschs Inszenierung spielte. Jetzt kennt man...
