Familienfreundlicher Think Tank, adieu
Stadttheater machen heißt, das Theater von der Stadt her denken. Politik ist der Bereich, in dem die Stadt sich selbst organisiert und entscheidet, was ihr wichtig ist. Wenn die Politik sich die Stadt ohne Theater denkt, hat das Theater keine Chance. Dann muss das Theater sich selbst wegdenken.
Die Stadt
Nicola Bramkamp beendet nach fünf Jahren ihre Leitung des Schauspiels Bonn mit Ende dieser Spielzeit. Viel konsequenter als ihre Vorgänger Klaus Weise und Manfred Beilharz hat sie das Theater von der Stadt her gedacht.
Ein großer Teil ihrer Spielplanentscheidungen zielten auf einen Bezug zur Stadt: In der letzten Spielzeit war es ein Stich ins größte alle Bonner Wespennester – «Bonnopoly» (inszeniert von Volker Lösch) über den Skandal des World Conference Centers WCCB, bei dem die Stadt Bonn einem betrügerischen Investor aufgesessen war und nun Hunderte Millionen Schulden übernehmen muss. Alles, was man sich für die Verankerung eines Theaters in der Stadt wünschen kann: Zielgruppentheater, Mitmachtheater, lokalisiertes Literaturtheater, lokalpolitisches Recherchetheater. Nicht allen in der Lokalpolitik gefiel das.
Das Zerwürfnis zwischen Stadtpolitik und Schauspieltheater hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2018
Rubrik: Bilanz Bonn, Seite 59
von Gerhard Preußer
Mit Mitte 30 hat Mary Page Marlowe viel erduldet und nichts erreicht in ihrem Leben. Sie sitzt auf einer Bank, ein Therapeut durchlöchert ihre Ich-Blockade mit Existenzfragen, auf die sie keine Antwort kennt. Bis sich Marys stahlblaue Augen weiten. Und dann sagt sie, dass sie sich noch niemals für etwas wirklich entschieden habe. Eine namenlose Sehnsucht liegt frei...
Der spektakulärste Moment der Wiener Festwochen 2018 ging erst am Tag danach über die Bühne. Am 18. Juni fand die letzte Vorstellung des Festivals statt – Sartres «Troerinnen», von Ong Keng Sen im Stil der klassischen koreanischen Opernform Changgeuk inszeniert. Am 19. Juni gab Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin, drei Jahre vor Ablauf seines Vertrags, seinen...
Auf der großen Bühne der Münchner Kammerspiele ist ein kleiner Guckkasten mit einem Büro aufgebaut, so rudimentär realistisch wie die Kulisse zu einer Doku-Soap. Was darin gespielt wird, ist ein Reenactement von harter Realität, wie sie hierzulande jeden Tag stattfindet. Von drei Personen, die anfangs agieren, sind zwei Schauspieler, einer erzählt seine wahre...
