Familie beginnt im Kopf
Wer rumort da im Keller? Ein Einbrecher? Ja und nein. Denn der Junge, der sich in das Haus eines arrivierten Werbeagenturmenschen geschlichen hat, behauptet, dessen Sohn zu sein. Gezeugt in der wilden Jugendzeit der freien Liebe, jetzt auf der Suche nach dem Vater. Und eingebrochen ist er eigentlich nicht. Vielmehr eingegangen. Sagt er jedenfalls, als der Mann ihm vorwirft, die Waschmaschine benutzt zu haben.
Repliken dieser Art sind typisch für den «Waschboy». Provozierend naiv nimmt er den Mann beim Wort und reibt ihm so die Hohlheit seiner Sätze unter die Nase.
Beziehungsweise die Hohlheit seiner ganzen Existenz mit verlorenen Idealen und gescheiterter Ehe. Und während der Junge sich am Beispiel des Mannes einen Weg ins (Berufs-)Leben sucht, hängt der Mann alten Zeiten nach – bis sich die Positionen am Schluss grundlegend umgekehrt haben.
Der Autor Rolf Kemnitzer, 1964 als Sohn eines G.I.s geboren und laut Programmheft derzeit mit einer filmischen Dokufiktion über die eigene Vatersuche beschäftigt, öffnet hier in knappen Szenen mit wortgewitzten Dialogen weite Assoziationsräume. Die gegenläufige Bewegung der Protagonisten ist ein Konzentrat jeglichen Generationenwechsels, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Max Reinhardt gehört zu den großen Verkannten der Theatergeschichte. Das mag angesichts seines geradezu legendären Rufs vielleicht paradox klingen. Doch beim näheren Hinsehen ist Reinhardts Ruf zwiespältig. Theaterleute von heute beziehen sich lieber auf die zahllosen (und nicht selten dem diskreten Charme diverser Diktaturen erlegenen) Weltverbesserer, die die...
Der Verrat der Ideale und der Verrat der Liebe haben eine Wurzel und eine Konsequenz. In Godards Moravia-Verfilmung «Le Mépris» quittiert Brigitte Bardot den doppelten Betrug ihres korrumpierten Mannes (Michel Piccoli) – an ihr und ihrem Körper und an seinem Beruf als Drehbuchautor – mit Verachtung und dem Ende der zum Warentausch herabgesetzten Beziehung. Am...
Die Musik, die in Peter Dehlers Inszenierung immer wieder atmosphärisch verschmiert eingesetzt wird, ist feinster skandinavischer Depressionismus – der zerdehnte Trauersound der isländischen Band Sigur Ros gilt als musikalische Feier von Absage und Vergeblichkeit. Doch auf dem Programmzettel verkündet Heiner Müller gleich als erstes den Optimismus, dass die...
