Erinnerungstaumel
«Warum war die Großmutter denn nicht an den Gleisen bei uns da in der Bahnhofshalle, Mama?» Beharrlich bohren die vier einst mit ihren Eltern aus der DDR geflüchteten Mädchen bei ihrer Mutter nach. Doch an die Gründe für die großmütterliche Abwesenheit am Tage ihrer Abreise will oder kann sich ihre Mutter nicht erinnern. Mit dem vielstimmigen, persönlichen Rückblick einer Familie auf ihre Flucht in den Westen gelingt Henriette Dushe eine Sprachpartitur über das Erinnern schlechthin.
Zu Recht ist sie dafür zur Siegerin der 3. Essener Autorentage «Stück auf!» 2014 gekürt worden.
Lediglich die «Mutter» ragt in dem «Bühnentext für fünf Frauen» als Einzelstimme heraus, ansonsten mäandert das Sprechen zwischen den als «Eine», «Einige» oder «Andere» bezeichneten Töchtern. Der Vater hat sich obwohl Motor der Flucht nach der Ankunft im Westen in die Depression verabschiedet und bleibt dementsprechend stimmlos. Minutiös kreisen die Erinnerungssplitter um die Vorbereitungen der Flucht, die Spannung der Abreise und die Enttäuschung des Nicht-Fußfassens im Westen. Worte stocken, Sätze versanden («warum hast du nicht / Irgendwann da, da hättest du doch»), dann wiederum drängt die Erinnerung ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Natalie Bloch
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Bingo. Einer hat immer Glück. Zumindest im Spiel. Dafür scheitern sie in der Liebe hier eigentlich alle. Schließlich sind wir bei Tschechow und der Unmöglichkeit des Lebensglücks. Semjon liebt Mascha. Mascha liebt Kostja. Kostja liebt Nina. Nina liebt Trigorin. Der liebt ein bisschen ihre Jugend und auch ein bisschen die Arkadina, vor allem aber sich selbst. Es ist...
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