Erika Ode ermittelt
Im großen Pulk der deutschen Fernsehkommissarinnen ist Eva Mattes als Klara Blum von der Kripo Konschtanz von allem weniger: weniger matronenhaft als Hannelore Hoger alias Bella Block, weniger Nachtfalter-flatterhaft als Hannelore Elsner alias Lea Sommer, weniger rundum überkandidelt als Corinna Harfouch alias Eva Blond und weniger postoperativ maskenhaft als Iris Berben alias Rosa Roth.
Sie gibt ein verlässliches Fräulein Mutter Erde, nicht überwältigend, aber beständig. Das meiste ist ihr eh wurscht, auch ihr eigener Geburtstag.
Sexualität spielt sich vor ihr ab, nicht in ihr, im Geturtel ihrer metrosexuellen jungen Kollegen, die sich um jene Pfunde sorgen, zu denen sie längst steht. Sie ist übern Berg und hat nun Zeit, freundlich liebe Penner zu umsorgen, die ihr Zeugenaussagen apportieren wie wuschelige Hunde. Der Kommissarin mütterliches Herz ist groß, und im Konstanzer Mörder und Großbetrüger, der sich ihr aalglatt entwinden will, erkennt sie sofort ein Kind, zu dessen Erziehung sie berechtigt ist. Sie entlarvt ihn im Spiel, obwohl die großen Männer der Stadt ihn schützen. Das schreckt sie nicht, weil neben ihr alle Männer kleine Jungen werden. Klara Blum locht ein und ...
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Narzissmus ist eine Zeitkrankheit. Keine individualpsychologische Charakterstörung, sondern eine soziologische Diagnose. Ökonomisch verbrämt als «Selbstmanagement», philosophisch kaschiert als «Selbstsorge» oder «Freundschaft mit sich selbst» wird von allen Seiten die Steigerung der Konzentration auf sich selbst gefordert. Jede Situation, in die wir geraten, jede...
Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...
Peter Palitzsch, gestorben mit 86 Jahren, war auf eine entschlossen bescheidene Weise nur er selbst; und dennoch verkörperte sich in ihm die Idee eines bedeutenden, ernsten deutschen Theaters. Das wäre ein Theater, das sich selbst ernst nimmt – noch ernster aber die Anderen: das Publikum eines Abends, die Bewohner einer Stadt, die Bürger unseres Landes und, ja, die...
