Entthronung der Päpste
Die Heinzelmännchen sind am Werk. Sie hämmern und sägen, sie klopfen und stechen und zerstören alles, was ihnen unter die Finger gerät. Dann setzen sie es neu zusammen. Im Untergrund, offenbar unter dem Cloître des Célestins (unverkennbar der mittelalterliche Kreuzgang mit den beiden Platanen), bearbeiten sie ihre Fundstücke. Eine Damenhandtasche, ein Taschenbuch, sind es die Dinge, die die Zuschauer liegengelassen haben? Nein, auch ein Beichtstuhl, ein bemitleidenswerter Stoffhund.
Ohne Zögern geht ihm Mütterchen Schnurrbart mit der Säge an die Schnauze, ein feister, glänzender Engerling.
Keule gegen die Hochkultur
«Oncle Gourdin» heißt das Spektakel, mit dem sich Sophie Perez und Xavier Boussiron in Avignon vorstellen: «Onkel Knüppel», und da wird nun mit der großen Keule angerichtet, sozusagen. Man kann sich die Heinzelmännchen ja gut vorstellen in der mittelalterlichen Stadt. Wenn auch eher sanft an einer Laute zupfend und singend, «Sur le pont d’Avignon» zum Beispiel. So zeigen sie sich tatsächlich, aber nur in der ersten Minute. Da drapieren sie sich apart unter die Renaissancebögen des Zölestinerklosters; es dauert nicht lange, die Lautenklänge werden wild und punkig.
Ähn ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Andreas Klaeui
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Vielleicht sollte man Macbeth einmal zur Abwechslung als frühen Kulturkritiker verstehen. Jedenfalls befindet er sich im dritten Akt, vierte Szene, an einem ungewöhnlichen Punkt der Erkenntnis. Er hat an dieser Stelle des Dramas bereits König Duncan und dessen Diener erstochen, um sich selbst die Krone aufzusetzen, dann den Freund Banquo ermorden lassen, andere...
Mephisto wohnt in der Teisenberggasse 11. Aus dem öligen Haar wachsen ihm Hörner, der offene Bademantel gewährt Einblick auf einen imposanten Bauch und einen schwarzen Slip. Pleased to meet you: Der Teufel ist in Feierlaune, und wir sind heute seine Gäste. In Reih und Glied stehen wir an der Hausmauer und nippen an den milchig weißen Drinks, die uns gereicht...
