Endspiel, was sonst

Sieben längere Sätze über Theater und Kritik

Theater heute - Logo

1. Warum machen wir das? Man muss ja keine Theaterkritiken schreiben. 

Am Theater kann einen zunächst reizen, dass es als generalistische Form, die im Glücksfall zum Gesamtkunstwerk gerät, alle oder fast alle anderen Genres vereint. Das ist für den Kritiker mindestens eine intellektuelle Herausforderung, erklärt aber noch nicht wirklich sein Objekt der Begierde. Erklärt nicht die eigene Emotion: nicht diese neugierige Lust, ausgerechnet auf das Theater zu reagieren.

Alfred Kerr hat sein Kritiker-Motiv noch emphatisch als «die Seligkeit, die Seligkeit, die Seligkeit des Daseins» bezeichnet, worauf Karl Kraus erwiderte, er hätte ihm erst mal zwei Seligkeiten gestrichen. Immerhin drückt sich in Kerrs Bekenntnis das Passionierte aus; und ein bisschen Passion ist es schon, was Kritiker, die sich Künstlern und Künsten nähern, persönlich antreiben sollte. Noch vor jedem (Selbst-)Darstellungsdruck oder Gedanken über das berufliche Aus- und Fortkommen. 

Ästhetische Erfahrungen, um die es beim Schreiben übers Theater oder andere Künste im Grunde geht und ohne die dieses Schreiben mit einem diskutablen kritischen Urteil gar nicht gelingen kann, ästhetische Erfahrungen rühren auch an die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2006
Rubrik: Positionen der Kritik, Seite 24
von Peter von Becker

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schöne Stühle

Büchners «Woyzeck», so will es die Sagenschreibung, soll bereits für den Teenager Neil LaBute von immenser Bedeutung gewesen sein. So sehr, dass LaBute schon sehr jung – jünger als Büchner selbst war, als er sich den «Woyzeck» 23-jährig von der Seele schrieb – den Stoff ins Amerikanische übersetzt haben soll. Und dann, als LaBute viel später einmal als großer...

Die leere Bühne, nur besser

In meinem persönlichen Exemplar des Buches «100 Jahre Deutsches Theater» – eine aufmerksame Pressereferentin hatte es mir zu meinem Amtsantritt als Theaterredakteur bei der «Berliner Zeitung» geschenkt, inzwischen arbeite ich selber am DT –, in dieser seltenen Ausgabe also gibt es einen nicht unoriginellen Farbbildteil. Rekonstruktion und Wiederaufbau des Deutschen...

Gute Unterhaltung!

Wenn es um die möglichst lukrative Verbindung von Kunst und Geld geht, macht den Salzburger Festspielen an sich keiner was vor. In der katholischen Kirche aber hat das Festival diesen Sommer seinen Meister gefunden: Auf einem derzeit wegen Renovierung eingerüsteten Turm des Salzburger Doms wurde für die noble Schreibwarenfirma Montblanc geworben. Dass...