Endlich drin
1. Im Februar, als alles vorbei war, die zehn Aufführungen nominiert und publik gemacht, fuhr ich, schon für meine zweite Jury-Periode, nach Graz zum «König Lear» von Peter Konwitschny mit Udo Samel. Es kam, wie es kommen musste: Im Foyer lief ich dem Kollegen St. über den Weg, der an der Auswahl in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», wie in den letzten Jahren, kaum ein gutes Haar gelassen hatte. Für ihn besteht sie aus sechs «abseitigen Projekten», also Nichtdramen, die er naturgemäß nicht gesehen hat, nicht einmal das seines geliebten Marthaler in Sils-Maria.
Und unter den vier Titeln des «dramatischen Restbestands» findet sich keiner seiner Favoriten.
Fröhlich schwäbelnd empfing er mich: «Ihr habt ja vielleicht einen Sch ... ausgewählt!» Im Unterton schwang mit: Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, ich kenne Sie doch anders!
Ich atmete durch und gab ebenso fröhlich zurück: «Was vermissen Sie denn? Welche echten Dramen?»
«‹Die Zofen› von Bondy unbedingt», kam es ganz schnell.
Einen Moment lang war ich verblüfft. Ich hatte den «Zerbrochnen Krug» von Stein erwartet, sozusagen als Dramen-Fels, an den wir Zwergbergsteiger uns nicht einmal herangewagt hätten. Aber «Die Zofen», diese ...
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