Ein europäisches Fiasko
Auf meinen Auslandsreisen sehen mir die Leute häufig fragend in die Augen: Was treibt ihr dort eigentlich in Ungarn? OhneZweifel scheint Ungarn in den letzten Jahren einfach unfähig zu sein, demokratisch zu funktionieren. Alle Gebiete des Lebens, die man bislang für unabhängig und frei hielt, werden von der Politik entschieden, und auf fürchterliche Weise werden Menschenrechte eingeschränkt.
Als allerdings im letzten Monat gegen den Beschluss eines Fachgremiums auf der Basis einer lächerlich niveaulosen Bewerbungzur Leitung des Új Színház (Neues Theater) der rechtsradikale Schauspieler György Dörner und der für seine antisemitischen Äußerungen bekannte Dramenautor István Csurka (auch Präsident der rechtsradikalen MIÉP Partei) ernannt wurden, war das eine Entscheidung, die nicht länger unkommentiert bleiben darf. Nicht nur, weil dahinter eindeutig ein politischer Wille steht, sondern auch, weil uns diese Tat auf den drohenden Abgrund aufmerksam macht, der sich zwischenuns und Europa auftut. Also: Was treiben wir hier eigentlich?
Die politischen Machtmanöver dieser Ernennung wie auch die Ausrichtung einer ganzen Reihe von Kulturinstitutionen nach politischen Fahnen, das alles ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: FOYER, Seite 1
von Kornél Mundruczó
Kein Konflikt auf dem Globus zieht mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich als der zwischen Israelis und Palästinensern, kaum ein anderer ist so kompliziert, ist bis zur Undurchschaubarkeit verworren. Und doch löst gerade dieser Dauerbrenner unter den weltpolitischen Krisenherden in der internationalen Öffentlichkeit besonders heftige Bedürfnisse nach...
Da kommt zum Beispiel der Ehemann nach Hause: «Die Schlafzimmertür war zu, an der Tür war mit Reißzwecken ein Zettel befestigt, da stand mit Bleistift drauf: ‹Mein Lieber, ehe du ins Zimmer gehst, mach dir bewusst, dass ich mich dort aufgehängt habe. Margret.›»
Das Leben macht schlechte Witze, und die Liebe ist dann meist nur noch ein letztes verklungenes Wort. Ein...
Es ist kein Zufall, dass die drei letzten großen Theaterproduktionen des steirischen herbst allesamt im Foyer beginnen. Dort, im Theatervorraum, spielt ja auch das richtige Leben: Da stimmt sich der Besucher auf den Übertritt in die Bühnenwelt ein, hat noch Gelegenheit, ein wenig kulturelles Kapital zu wechseln, in guter Gesellschaft zu trinken, und kann sich am...
