Ein deutscher Flüchtling

Die Autobiografie des Theatermachers und ­­-kritikers Hermann Sinsheimer «Gelebt im Paradies» erscheint 60 Jahre nach seinem Tod erstmals vollständig und unzensiert

Theater heute - Logo

Obwohl er das bittere Schicksal des Exils auf sich nehmen musste, im Dezember 1948 britischer Staatsbürger wurde und auch keine Rückkehr mehr in Erwägung zog, blieben für den 1883 geborenen Hermann Sinsheimer seine Jugend im pfälzischen Freinsheim und die Fülle der bis 1933 in München und Berlin erlebten Ereignisse und Begegnungen eine Zeit paradiesischen Glücks. Seiner von 1942 an in England verfassten Autobiografie gab er den Titel «Gelebt im Paradies».

Sie erschien erst drei Jahre nach seinem Tod 1953 in München, herausgegeben von einem der Witwe Sinsheimers empfohlenen Gerhard N.

Pallmann, der bis 1945 publizistisch für die NSDAP gearbeitet hatte und der die Autobiografie des von den Nazis Vertriebenen verharmlosend änderte, ganze Passagen eliminierte oder ihre Aussage dreist verfälschte.

Jurist, Nationalökonom, Regisseur, Redakteur

So ist die nun 60 Jahre später als Band 1 einer von Deborah Vietor-Engländer initiierten dreibändigen Werkausgabe im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienene Neuedition von «Gelebt im Paradies», her­ausgegeben von der Geschäftsführerin des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, Nadine Englhart, der erste authentische Druck dieses klugen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August-September 2014
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Klaus Völker

Weitere Beiträge
Klage um ein zerstörtes Land

Von einer Projektionswand sieht uns ein Gesicht an. Ein kleiner Chor singt sanft und klagend über ein zerstörtes Land, das seinen Bewohnern zum Grab wurde. So leise, so traurig beginnt Brett Baileys afrikanischer «Macbeth», der die Geschichte des schottischen Königs in die soziale Realität des heutigen Ostkongos verlegt, eines von Kriegen rivalisierender Warlords,...

Der Betrieb übernimmt

Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es be­kanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu...

Hundert Prozent Perspektivwechsel

Dass dem erotischen Kapital eine Schlüs­selrolle bei der Erwirtschaftung sozialer (und ökonomischer) Rendite zukommt, ist spätestens seit Michel Houellebecq im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen. Während allerdings dessen humane «Elementarteilchen» anno 1998 an ihren marktwertmindernden Altersfalten und -speckröllchen noch in weitgehend analoger...