Ehret den Oberlehrer!
Der Monolog, das große Solo, ist die Königsdisziplin für Schauspieler. Einmal allein vor dem Publikum stehen und so tun, als wäre es nicht da: allein sein mit dem Text, versinken in das Sprachmaterial, aufgehen in innerer Erfahrung.
Der New Yorker Schauspieler Harvey Keitel, bekannt aus Filmen von Martin Scorsese bis Quentin Tarantino, bekommt dieses große Solo in einer Arbeit des Künstlers James Coleman, die bei der documenta 12 in Kassel ungewöhnlich prominent inszeniert ist: «Retake with Evidence» ist ein dreiviertelstündiger Film, für den ein großer Raum in der Neuen Galerie in Kassel vollständig leergeräumt und mit Teppichboden ausgelegt wurde. Nur der Film auf der Leinwand und die Stimme aus dem Lautsprecher sind im Raum, dazu die Zuschauer, die meistens an den Wänden stehenbleiben oder es sich, so gut es geht, auf dem Boden bequem machen. Es ist nicht ganz leicht herauszufinden, worum es in «Retake with Evidence» geht: Keitel steht in diesem Film seinerseits in einem großen leeren Raum und spricht einen Text, der sehr bedeutungsvoll klingt, aber nie so richtig zusammenhängend wird. Gelegentlich sind Kulissen und Requisiten in dem weiten Raum zu sehen, eine Panorama-Ansicht von einem Museum mit Altertümern oder zwei Löwenstatuen. Es scheint, als wäre Keitel ein Robinson der Kunst- und Kulturgeschichte, ausgesetzt in einer White Box, in der nur noch ein paar Bühnenbilder aus einer alten Zeit herumstehen. ...
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Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 20
von Bert Rebhandl
Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...
Franz WilleHerr Baumbauer, wieso wollen Sie die Münchner Kammerspiele nur noch bis 2009 leiten, das ist doch das schönste Theater, das es gibt?
Frank BaumbauerErstens habe ich große Lust, das Theater noch die nächsten zwei Jahre zu leiten. Zweitens versuche ich, mir immer selbst die Grenzen zu setzen – wie schon in Basel und Hamburg – aus dem Wissen um die für...
Außerhalb der Fachzirkel war sie in den letzten zwanzig Jahren, zumindest hierzulande, wohl ein bisschen aus dem allgemeinen Theaterbewusstsein gerutscht, diese Olympiade des Bühnenbilds. Für diejenigen jedoch, die als Bühnenbildner arbeiten, blieb sie seit ihrer Gründung 1967 als einzige internationale Ausstellung dieser Art immer das, was Venedig oder Kassel für...
