Eastern Styles
Es ist eine sympathische Geste der Residenztheaterleitung, für diejenigen, die sich von den zeitgeist-geschliffenen well-made Plays im Spielplan nicht so recht angesprochen fühlen, eine gegenläufige Programmseitenlinie zu verfolgen, die mit offenem Blick von außen und ganz unterschiedlichen, häufig osteuropäischen Regiehandschriften eigene Akzente setzt und dabei auch die Avantgarden des letzten Jahrhunderts ohne Scheu vor Nostalgieverdacht noch einmal auf aktuelle Andockstellen hin abklopft.
Im Marstall hat sich nun der kroatische Regisseur und Dramatiker Ivica Buljan, der dort schon 2016 eine derb-funkelnde Version von Pier Paolo Pasolinis Film «Der Schweinestall» in Szene gesetzt hatte, Jean Genets «Der Balkon» vorgenommen und aus der karnevalistischen Paraphrase auf eine Gesellschaft im Umbruch ein lustvoll an die Ränder der Repräsentation ausschweifendes Vexierspiel gemacht.
1956 während des Algerienkriegs entstanden, in Frankreich damals umgehend verboten und ein Jahr später in London von Peter Zadek uraufgeführt, spielt das Stück auf salopp-subversive Weise die Simulacren der Macht gegeneinander aus. Ein Bordell der Bilder ist das «Haus der Illusionen» der Madame Irma, in ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Silvia Stammen
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
Die U-Bahn ist der neue Underground. Jedenfalls in den jüngsten Bühnenbildern des serbischen Szenografen Aleksandar Denic, der Frank Castorf schon für sein Jahrhunderte überspannendes «Faust»-Paris den Eingang der Metrostation «Stalingrad» nachgebaut hat. Diesmal geht es auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses unterhalb eines riesigen «Camel»-Billboards in...
Michael Merschmeier Wenn man die Strukturen mancher Ensembles und Theater-«Familien» durchleuchten würde, kämen viele recht einfache Abhängigkeitsverhältnisse zum Vorschein.
Hannelore Hoger Würde ich auch glauben. Ist eigentlich normal, dass im Berufsalltag auch Liebesverhältnisse entstehen. Die Besetzungscouch von Hollywood war allseits bekannt. Wenn man mit aufs...
