Durch die Wüste
Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.
Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer Siedlung und bedeutete uns, anzuhalten. Neben ihm ein Junge; er sprach etwas Französisch, der Alte nur Arabisch. Wir begriffen bald, dass wir den Jungen in eine einige Kilometer entfernte Oase mitnehmen sollten.
Er sei der Sohn des Oasenhäuptlings, wir würden dort auf Nomaden mit ihren Kamelen treffen, hätten die Chance auf eine seltene Begegnung … Ich war überzeugt, dass nichts davon stimmen könne, und versuchte, meinen Freund von der Fahrt abzuhalten. Er jedoch glaubte den beiden – und so fuhren wir mit dem fremden Kind auf dem Rücksitz durch die marokkanische Wüste. Ich war mir sicher, dass wir spätestens nach dem nächsten Hügel einen Hinterhalt zu erwarten hatten: Wenn nicht Kopf ab, dann doch wenigstens Auto weg; ich sah uns nackt durch die Wüste kriechen, ohne Wasser, ohne Brot … Doch es gab diese Oase; alles, was die ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 132
von Sylvana Krappatsch
Großes Gedränge bei den Stücken des Jahres! Knapp die Nase vorn hat Sibylle Bergs
«Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» über das sprachstark einbildungsreiche, doch ereignisarme Leben eines Berliner Mitte-Hipster-Girlies.
Ausländischer Autor ist Martin Crimp, der mit «Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino» und «In der Republik des Glücks» für neue Impulse...
Oben könnten wir uns doch treffen, hatte er auf Englisch ins Handy gesagt, high up am Grünen Hügel in Bayreuth, vor dem Festspielhaus, da mache er gerade die Wiederaufnahme mit Castorf für den «Ring».
Oben klingt gut, oben ist die Richtung, in die einen Aleksandar Denic sowieso immer gucken lässt in den Schachtelburgen, die er bisher im deutschsprachigen Raum...
Nach jahrhundertealter Ausbeutung von Mensch und Natur werden Utopien, die sich im 21. Jahrhundert zu nichts Geringerem als zur Rettung von Mutter Erde aufschwingen, zum ersten Mal die gegensätzlichsten Gründe aufführen. Der Mensch ist ein Egoist, und er denkt an sein eigenes Wohl. Ja. Der Mensch ist kooperativ und nur darin menschlich, dass er sich ein Gemeinwesen...
