Dresden: Anjas Wut
Keine untergehende Berufsgruppe, Partei oder Gesellschaft, die sich nicht wunderbar in der Eigentümerin des «Kirschgartens» spiegeln ließe! Zwar ist die Ranjewskaja mehr als pleite, aber eben auch reich gesegnet mit der Grundarroganz verarmter Aristokraten. Dass ihr Gut versteigert wird, steht zwar unmittelbar bevor, kann aber dessen ungeachtet eigentlich gar nicht sein. Schließlich ist der «Kirschgarten» im «Enzyklopädischen Lexikon» verzeichnet.
Und der vermeintliche Rettungsplan, den der Sozialaufsteiger Lopachin ihr da unterbreitet hat, nämlich das landschaftliche Gesamtkunstwerk zu parzellieren, mit Datschen zu bestücken und an Feriengäste zu vermieten, kann aus ihrer Sicht auch wirklich nur einem Materie-fernen Volltrottel einfallen – der das Gut am Ende natürlich erwerben und umgehend die Axt an die Baumkultur legen wird!
Dieser Sozialkonflikt geht selbstverständlich immer auf der Bühne. Andreas Kriegenburg, der den «Kirschgarten» jetzt im Großen Haus des Staatsschauspiels Dresden in eine Art White Box gezirkelt hat, auch diesmal Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, entrückt das Geschehen in eine zeitlose Distanz mit Commedia-dell’arte-Anleihen. Die Kostüme sind ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Christine Wahl
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
Es gab Zeiten, da konnte man den Eindruck gewinnen, Festivals kreieren, losgelöst von lokaler Verortung, ein sich vorwiegend aus Eigenblut speisendes System international zirkulierender Großproduktionen, deren gemeinsamer Nenner vor allem in ihrer möglichst voraussetzungslosen universalen Rezipierbarkeit liegt. Beim Münchner Spielart Festival, und nicht nur dort,...
Wie heißt er denn jetzt umgangssprachlich, der Cunnilingus, der Blow Job für die Frau? Ein merkwürdig bezeichnungsfreier Akt ist das, und das spricht natürlich auch schon für sich. Olivia Öl jedenfalls hätte gern einen, oder mehrere – aber nicht von ihrem Freund Popeye. Da ist die Scham davor: Die Scham vor dem Geruch, vor dem Geschmack, vor dem Überhaupt ihres...
