Dramatische Systeme
Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki Theaters, die ihm etwas von islamischer Würde erzählen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Schon ist er in London bei der Moslembrüderschaft in Finsbury Park, studiert Wirtschaftswissenschaften und spricht wie ein verbohrter Fundamentalist. Es folgt ein Ausbildungscamp in Afghanistan, die Rückkehr nach Europa, ein teurer Anzug wird gekauft, und fertig ist der fanatische Selbstmord-Attentäter. So betrachtet, muss jeder dankbar sein, dass nicht 90 Prozent der Berliner Jugendlichen mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch herumlaufen.
Lutz Hübner hat mit gefälliger Dialog-Routine das Material von ein paar Dutzend Zeitungsartikeln in 24 Szenen übertragen und mit der Nachdenklichkeit eines Schlagzeilen-Redakteurs alle anstehenden Fragen geklärt. Auch die Inszenierung von Volker Hesse fordert strenge Glaubenskraft. Denn ehe sich ...
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Ein Mann kommt in die amerikanische Kleinstadt zurück, in der er vor zwölf Jahren die High School besucht hat. Vor dem örtlichen Sears-Kaufhaus trifft er zufällig die schöne Belinda wieder, die damals seine heimliche Liebe war. Der Mann hat gerade seinen Job als Rechtsanwalt geschmissen, ist frisch geschieden und ohne Bleibe. Da passt es gut, dass ihm Belinda...
Boy, Cop, Mother, Dealer, Bitch und Boyfriend – das Personal in Paravidinos «Stillleben in einem Graben» entspricht den Grundbausteinen eines Krimisetzkastens. Und tatsächlich geht es in dem von Paravidino 2001 verfassten Stück ganz klassisch um eine schöne Frauenleiche. Ein Motiv, das seit jeher die grundlegende Störung der symbolischen Ordnung in der...
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
