Dortmund: Spätantike Dramenblüte
Agamemnons Tochter Elektra hält sich fit: Mit einer ausdauernden, wenn auch etwas ungelenken Körpergymnastik im coolen schulterfreien Top trifft Caroline Hankes Vaterrächerin auf ihre overdresste Mutter Klytaimnestra (Friederike Tiefenbacher im roten Futteralkleid unterm Pelzmantel). Allerdings werfen sich die beiden Gesellschaftsdamen neben altem Familientratsch – «du bist wie dein Vater, der elende Faschist» – vor allem politische Etiketten an den Kopf.
Die Tochter sei «Terrorist, Faschist und Kommunist in Personalunion», während die herrscherliche Mutter angeblich Freiheit und Wohlstand als Diktatur praktiziert.
Seltsame staatspolitische Verhältnisse entwirft Alexander Kerlin in seiner aktuell gemeinten Neufassung von Euripides’ «Elektra», die im anschwellenden Redestrom zusammenbehauptet, was nicht mal unter chinesischen Verhältnissen zusammen funktioniert. Entsprechend läuft der Plot bald aus dem antiken Ruder. Zwar wird noch Klytaimnestra von ihrer rebellischen Tochter für ihren Mord an Agamemnon nach längerem Beschimpfungsaustausch ausdauernd erwürgt, aber schon Orest kommt nicht mehr zum Zug. Nach weit fortgeschrittenem, aber dann doch abrupt abgebrochenem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille
Wenn auch im Ausland nicht mehr so bekannt, war Luca Ronconi, der kurz vor seinem 82. Geburtstag am 21. Februar in einem Mailänder Krankenhaus starb, der nach Giorgio Strehler bedeutendste Theaterregisseur Italiens. Letzterer galt als sein Antipode. Als aber Ronconi 1999 die künstlerische Leitung des Piccolo Teatro übernahm und es in Strehlers Sinne weiterführte,...
Personen
Felix
Tobi
Philipp
Sechs Brüder
Mädchenchor
Ausrufer
Sebastian
Kay
Partygäste
No love lost. No love lost.
Joy Division
FELIX-SZENE
Bruder 2 jetzt kommst du heraus aus den schlechten Verhältnissen
Felix für das ganze schlechte Verhältnis ist kein Geld nur für jeden siebten einer Familie und der Staat hat eben mich gewollt
Bruder 1 versteht sich
Felix mich...
«Wenn Gott die Wiederholung nicht gewollt hätte, hätte er die Welt nicht erschaffen», verkündet der Erklärbär – und das hat er vom Existenzphilosophen Sören Kierkegaard geklaut. Zum besseren Verständnis untermalt das flauschige, aggro-besserwisserische Vieh jedes Wort mit einer Cheerleader-Geste und wiederholt das Ganze mehrfach, bis Rotkäppchen – «ich bin frei,...
