Dösen in der Höhle
Kleine Produktion, große Wirkung: Wenn's nach dem Echo in den Feuilletons und dem Diskussionsfuror im «nachtkritik»-Forum geht, dann scheint Stefan Ottenis Handke/Han-Adaption die größte Hervorbringung des Karlsruher Schauspiels in bislang eineinhalb Spielzeiten von Peter Spuhlers Intendanz zu sein. Freilich: Wer einen Sloterdijk-Buchtitel («Du musst dein Leben ändern») als Motto über gleich fünf Spielzeiten stellt und dezidiert eine Reihe mit «philosophischem Theater» ankündigt, hat die Köder entsprechend ausgelegt.
Zumal wenn es um einen so euphorisch aufgenommenen Text geht wie den 2010 erschienenen Essay «Müdigkeitgesellschaft» des koreanischen Philosophen Byung-Chul Han (der dank mehrjähriger Tätigkeit an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung zudem lokale Anbindung bietet). Eine von dessen zentralen Thesen lautet: Von der Disziplinargesellschaft und ihrem Postulat «Du sollst» haben wir uns zur Leistungsgesellschaft entwickelt. Aus deren Postulat «Du kannst» folgt die Selbstausbeutung in heutigen Arbeitsverhältnissen. Und beim «Nicht-Mehr-Können-Können» gerät das selbstausbeutende Ich in eine «Allein-Müdigkeit», die sich in Depression und Burn-out äußert. Wenn so ein Text im ...
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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Jüttner
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