Dies ist mein Text, ich kann nicht anders!

Großes Lesetheater in Klagenfurt: Die Performance des ernstzunehmenden Literaten

Theater heute - Logo

Ob sich ein reiner Theaterkritiker wohl in Klagenfurt langweilen würde? Einerseits zeichnen das alljährliche Bachmann-Wettlesen, zu dem sich der deutschsprachige Literaturbetrieb im Österreichischen trifft, ja durchaus eine Menge theatraler Aspekte aus. Es gibt ein Fernsehstudio (3sat überträgt drei Tage live), das ganz zu Recht ORF-Theater heißt, weil es an eine Studiobühne erinnert. Es gibt die Diskussionen der Jury, die, wenn es gut läuft, dialogische Züge annehmen. Und es gibt eine Art Duellsituation zwischen dem Vorlesenden und den Juroren.

Ein geschickter Theaterregisseur könnte aus der ganzen Sache einiges machen.

Andererseits ist es eine innerhalb des Literaturbetriebs noch ziemlich neue und vor allem auch nicht unumstrittene Vorstellung, dass man Lesungen genau­so inszenieren könnte und vielleicht sogar inszenieren sollte wie ein kleines Theaterstück. Thomas Böhm, der junge, umtriebige Leiter des Kölner Literaturhauses, propagiert das zumindest schon mal in einem Buch. Ein bisschen Regie – was die Raumsituation und den Vortragsstil betrifft – tut jeder Lesung gut. Gleichzeitig birgt Inszenierung auch immer Gefahren. Betont ein Schriftsteller die theatralen Aspekte zu sehr, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Medien/TV, Seite 88
von Dirk Knipphals

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die innere Uhr

Franz WilleHerr Baumbauer, wieso wol­len Sie die Münchner Kammerspiele nur noch bis 2009 leiten, das ist doch das schönste Theater, das es gibt?

Frank BaumbauerErstens habe ich große Lust, das Theater noch die nächsten zwei Jahre zu leiten. Zweitens versuche ich, mir immer selbst die Grenzen zu setzen – wie schon in Basel und Hamburg – aus dem Wissen um die für...

Es nahen härtere Zeiten

Endlich erhält er Amt und Würden: Martin Kusej, der am Burgtheater Wien übergangene Theaterwolf aus Kärnten, wird Intendant am Bayerischen Staatsschauspiel München. Aber nicht schon 2009, wenn Dieter Dorns Vertrag an diesem Haus offiziell ausläuft und in der deutschsprachigen Theaterlandschaft einer der größten Inten­dantenwechsel seit langem ansteht – vom...

Shakespeares gesammelter Sturm (leicht gekürzt)

Schon ein Blick auf den Theaterzettel verrät, dass einen in Barbara Freys Inszenierung kein konventioneller «Sturm» erwartet: Der Titel des Stücks hat seinen bestimmten Artikel verloren, und auf der Besetzungsliste finden sich nur drei Schauspieler. Nur Prospero, Ariel und Caliban haben das Massaker der Strichfassung überlebt. Die Bühne (Bettina Meyer) ist karg...