Die Wiederkehr des Reifrocks
Wenn Kritiker die mühsame Aufgabe präziser Schauspielerbeschreibung ein wenig abkürzen wollen, stellen sie gern in den hoffentlich irgendwie funktionierenden Echoraum des Textes neben das allgemein gehaltene charakterisierende Adjektiv («schüchtern, entschlossen, großkotzig») einfach das Naheliegendste: was der/die da vorne anhat.
Das zeugt eigentlich von tiefem Vertrauen in die Aussagekraft von Kleidungsstücken: Wenn Hedda ein blaues Kleid anhat und Platonov eine grüne Hose, wird das schon etwas zu bedeuten haben! Die Namen der Erfinder vom Blau-, Grün- oder Rot-Signifikanten sucht man allerdings meistens vergeblich in Texten, die nie den Bühnenbildner und schon gar nicht den Regisseur weglassen würden.
Sie sind eine vernachlässigte Gattung auf dem Theater, die Kostümbildner. In den letzten zehn Jahren gab es nur fünf Mal überhaupt eine(n) Kostümbildner(in) des Jahres in dieser Zeitschrift; man schreibt auch gerne «keines» in den zweiten Teil der Rubrik «Bühnen- und Kostümbild», die doch längst nicht mehr quasi naturgemäß in einer Hand liegen. Durchaus nicht ohne Grund: Allzu oft sind Kostüme ja auch wie unsichtbar, die Röcke aus dem Fundus, die Hemden von P&C, die Mäntel aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Kleider des Jahres, Seite 116
von Barbara Burckhardt
... ist fürs Schauspiel Köln und seine Intendantin Karin Beier die diesjährige Kritikerumfrage: Wie im letzten Jahr wird die Domstadt- bühne Theater des Jahres (7 Stimmen), und wie im letzten Jahr hat Karin Beier die Inszenierung des Jahres gemacht; 10 von 44 Kritikern jedenfalls fanden, dass Elfriede Jelineks Natur-versus-Mensch-Trilogie «Das Werk/Im Bus/Ein...
Die große Wut hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das Theater war leidenschaftslos, verbeamtet, routiniert, beschäftigte sich vor allem mit sich selbst. Ich hatte die Nase voll, schmiss alles hin, flüchtete nach Paris, ließ alles liegen.
Wut macht rücksichtslos, aber Wut gehört zur Freiheit. Menschen, die Wut nicht kennen oder Wut nicht wagen oder sie fürchten, langweilen...
Wut ist Teil meines Theaters. Obwohl ich sehr liebevoll mit den Leuten arbeite. Aber schon was ich behandle, hat sehr viel mit Wut zu tun. Zum einen mit einer verbreiteten Art, Theater zu spielen, an der ich als Schauspieler verzweifelt bin. Wo ich gerne selbst viel weiter gegangen wäre, bin ich runtergedrückt und weggeputzt worden. Als Regisseur habe ich auf...
