Die Tür zur Geschichte
Dem Zufall verdanke sie diesen Preis, sagte die junge ägyptische Theatermacherin Laila Soliman im November letzten Jahres zu den versammelten SPD-Honoratioren, die ihr den 1. Internationalen Willy-Brandt-Sonderpreis für besonderen politischen Mut verliehen, dem schlechten politischen Gewissen, das aus der fragwürdigen deutschen Außenpolitik resultiere, «und vielleicht der Tatsache, dass ich Ihren Vorstellungen einer Revolutionärin entspreche: jung, unverschleiert, gebildet, nicht religiös; kurz: jemand, mit dem Sie sich identifizieren können.
»
Auf dieses Identifikationspotenzial setzte auch das Ballhaus Naunynstraße in seiner Werbekampagne für das Festival «Voicing Resistance», das anderthalb Jahre nach Beginn des «arabischen Frühlings» künstlerische Stimmen des Widerstands aus Kairo, Jenin, Ramallah oder Beirut versammelte. Auf dem großformatigen Plakat blickt man in Solimans ausdrucksstarkes Gesicht, vom Kopf blutet ihr eine tote Friedenstaube ein dekoratives Rinnsal über die schöne Märtyrer-Stirn. – Weiter kann man sich von Solimans eigener pathosfreier Bühnen-Ästhetik, die dem gesprochenen Wort und der unmittelbaren Kraft des Dokumentarischen vertraut, kaum entfernen.
Fremdbes ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 69
von Anja Quickert
Da stehen wir nun mit unseren Kopfhörern auf dem Braunschweiger Burgplatz und haben schon verstanden: Theater, das ist nicht mehr die Konfrontation mit einer Bühnenperformance, die dann mal mehr, mal weniger mit unserer Wirklichkeit zu tun hat, sondern Theater, das ist unsere Wirklichkeit. «Du bist die Stadt», lautet das Motto der diesjährigen Theaterformen. In...
Wer noch vor Ende des letzten Jahrtausends Geisteswissenschaften studierte, hielt dieses gigantische, absatzlose Buch gewiss in den Händen. Ob als Seminarthema, in intensiver Einzelstudie oder studentischer Arbeitsgruppe – «Die Ästhetik des Widerstands» war Kultbuch und Pflichtlektüre. Denn hier wurde der Widerstand der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus...
Der schönste Satz auf diesem großen Festival für neue europäische Dramatik stammte dann aber doch von William Shakespeare, aus «Cymbeline», eingelassen in den belgischen Beitrag «Die Gehängten»: «Golden lads and girls all must, as chimney-sweepers, come to dust.» Ein Vers wie ein Meteor, heiß aufglühend, kalt im Abgang, weit durch die Zeiten geschossen. Vom Tod,...
