«Der zerbrochene Krug»: Graham F. Valentine (Frau Brigitte), Lisa-Katrina Mayer (Eve), Friederike Wagner (Frau Marthe Rull), Inga Busch (Ruprecht), Markus Scheumann (Dorfrichter Adam) und Hans Kremer (Gerichtsrat Walter), Regie Barbara Frey; Foto: Matthias Horn
Die Steine des Anstoßes
#EveToo. Es ist ja das Stück zur Stunde. Ein Mann mit Macht nötigt eine junge Frau zum Sex; die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen drängen sich auf und sind leider ganz gewiss nicht zufällig. In nackter Scheußlichkeit windet er sich also auf die Bühne, Markus Scheumanns Adam, und hopst auf seinen Dorfrichter-Drehsessel. Von da grinst er zufrieden herunter und räkelt sich im Bewusstsein der Unantastbarkeit. Blutrot leuchten allerdings die beiden verräterischen Wunden an seinem Kopf, und die Perücke, Symbol für Amt und Würden, ist auch nicht aufzufinden.
Gestrauchelt sei er halt, sagt er dem Schreiber Licht, aber auch: Die Sünde sei dem Menschen doch immer schon eingepflanzt.
Kleist schlägt das Thema in der Exposition schon an. «Jeder trägt den Stein zum Anstoß in sich selbst»: Besser als mit diesem Satz könnte man den «Zerbrochnen Krug» gar nicht resümieren. Solche sozusagen aus dem Unbewussten der Figuren vorgebrachten Bemerkungen in Kleists Text machen eine Art bitteren Witz des zweiten Grades aus. Denn selten waren sie so drängend zu hören wie jetzt in Zürich, diese immerfort sich physisch realisierenden Metaphern vom Stolpern und Straucheln, Scheiden und Entscheiden.
Huisume ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Andreas Klaeui
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