Die Stafette
Ich erinnere mich: 1995, im Sommer, nach zwölfjähriger Abwesenheit, war ich heimgekehrt in meine Stadt, die nun wieder eine ganze war, und eben verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag. Ja, wirklich! Ausgezogen aus der Stadt zum ersten Mal war ich im Totalen Krieg. 1943 nach Franken, wo es Nazis gab wie Sand am Meer. Als Einzelkind. Meine Mutter hatte es gleich wieder zurückgetrieben nach Berlin zum Vater und unserer beschädigten Wohnung, so dass ich allein bei Pflegeeltern blieb, für die ich, als der Spuk zuende ging, ein Klotz am Bein war.
Da lernte ich mich verstellen, stehlen und betteln. Dann lief ich im Juni 1945 weg. Nach Hause, ins zerbombte, kaputt geschossene Berlin. Meine Eltern suchen. Ich fand sie, ging zur Schule, ging schieben, tauschen, hamstern, stehlen. Versagte in der Schule, durfte ins Internat auf die Insel Scharfenberg im Tegeler See, ging weg von da, als Berlin geteilt wurde und uns Internatsschülern großes Unrecht geschehen war, politisches Unrecht, weg aus Westberlin, in die Ostzone, dahin, wo man die DDR gründete. 1949. Da blieb ich. Da machte ich mein Abitur, das in den Westsektoren nicht anerkannt wurde. Da wurde ich, erst in Weimar, dann in ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Akteure, Seite 54
von Jürgen Holtz
Naz muss sich von Indien nach London durchschlagen und findet als moderner Sindbad Trost und wohl auch Ermutigung bei dessen Geschichten. Er ist «Der Junge mit dem Koffer», in Mike Kennys Stück ein Entwurzelter schon in jungen Jahren. Die Produktion des Schnawwl Mannheim ist nicht nur Beleg dafür, dass sich auch im Kindertheater der Blick in die Welt weiten kann,...
Was war
Obwohl er ein wunderbarer Erzähler sein konnte, machte Henning Rischbieter, wenn es darauf ankam, nur wenige Worte. Als ich von irgendjemandem zufällig um Mitternacht herum in der Stuttgarter Schauspielkantine, am 1. September 1976 nach Claus Peymanns Uraufführung von Thomas Bernhards «Minetti», dem graubärtigen Herrn vom Olymp der Theaterkritik (der damals...
Wie versteinert sitzt die ältere Frau im Zentrum der Bühne. Dicke Spinnweben überziehen ihren Körper. Um sie herum hat Bühnenbildner Dirk Thiele haushohe Wände errichtet, in deren setzkastenähnlichen Auslassungen Darsteller wie Schießbudenfiguren im Halbdunkel verharren. Mit einer bizarren Märchenszenerie eröffnet Heike M. Goetze ihre bei den Ruhrfestspielen...
