Die Sieger der Geschichte
In der Rückbesinnung auf das individuelle Geschick fand Kantor
zu seiner künstlerischen Maxime: der «Realität des niedrigsten Ranges». Von den Anfängen im Untergrundtheater während des Zweiten Weltkrieges bis zu den Schlussproben von seiner letzten Produktion «Aujourd’hui c’est mon anniversaire» hat diese Maxime sein Schaffen bestimmt.
Das individuelle Leben ist in diesem künstlerischen Kosmos den Kreisläufen der Geschichte hilflos ausgeliefert. Die Zyklen der Wiederholung finden sogar mit dem Tod der Bühnenfiguren kein Ende.
Kantors Gestalten sterben – und setzen ihr Leben fort, als wäre nichts geschehen. Nicht einmal der Tod kann die Figuren aus dem gleichförmigen Einerlei ihres Lebens befreien. In der «Toten Klasse» stehen die Schüler wieder auf, nachdem sie von der Putzfrau (Stanislaw Rychlicki) mit der Todes-Sense umgebracht worden sind. Auch in «Wielopole, Wielopole» finden die Familienmitglieder kein Entkommen aus den Kreisläufen ihrer tragikomischen Existenz. Großmutter Katarzyna (Jan Ksiazek) will die Ebenbildpuppe des Priesters beerdigen, eine Stoffpuppe mit nachgebildetem Kopf und weißem Talar, doch nirgends findet sie dafür einen geeigneten Platz. Der Tod des ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 24
von Klaus Dermutz
Pläne der Redaktion
Wie funktioniert ein Apparat, der regelmäßig Kunst und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt?
Und was bleibt von dieser Arbeit übrig? Diese und noch mehr Fragen stellen She She Pop bei ihrer Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart: «Einige von uns»
Auch das ist Brüssel: Christophe Slagmuylder leitet das Kunsten-festival des Arts, einst
gegrü...
Aschaffenburg, Stadttheater
10. Sternheim, Der Snob
R. Jürgen Overhoff
Augsburg, Theater
19. Achternbusch, Gust
R. Anton Koelbl und Tjark Bernau
Baden-Baden, Theater
19. Goldoni, Der Diener zweier Herren
R. Barry Goldman
Basel, Theater
16. Castellucci, The Parthenon Metopes
R. Romeo Castellucci
19. Aufbruch. Die letzten 48 Stunden
R. Petra Barcal
Berlin,...
So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Universitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav...
