Die neue Hauptsache

Es klingt wie eine schlechte Nachricht: Beim Theatertreffen kann man es nicht allen recht machen. In Wirklichkeit ist es eine gute.

Theater heute - Logo

Jeder Juror des Berliner Theatertreffens ist eigentlich eine tragische Figur. Denn immer macht er oder sie viel mehr Menschen unglücklich als glücklich: enttäuschte Künstler, zornige Lokalpatrioten, die nicht verstehen, warum ihr Theater wieder nicht eingeladen wurde, Kollegen und Kommentarspaltenschreiber, die sich die Haare über die Auswahl raufen. Jedes Jahr produziert die Bekanntgabe von zehn Inszenierungen tausende Male das Gefühl, das Ergebnis sei doch ungerecht. Und dem kann niemand ernsthaft widersprechen.


Es ist nicht gerecht, dass fast immer die großen und reichen Häuser unter sich bleiben. Es ist nicht gerecht, wenn zu einer außergewöhnlichen kleinen Produktion in einem mittleren Stadttheater nur ein Juror des Gremiums anreist. Und alles andere ist auch nicht gerecht. Weil es nicht gerecht sein kann. Vermutlich nicht einmal fair, selbst wenn jeder der sieben Jurorinnen und Juroren sich garantiert aufs Gewissenhafteste darum bemüht, sich die Hacken abreist und mit größter Energie und Kompromissbereitschaft für eine wirklich überzeugende Auswahl kämpft, mit der sich die interessantesten Impulse des deutschsprachigen Gegenwartstheaters abbilden lassen.

Alle wollen es so

Dies ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 34
von Till Briegleb

Weitere Beiträge
Mannheim: Akute myeloische Leukämie

Am Ende hat Benjamin die Krankheit zum Tode überwunden. Der kleine Bruder, wie der 23-jährige Akin E. Sipal den Protagonisten seines zweiten Stückes nennt, muss mit der Diagnose «Blutkrebs» leben, und er tut das, soweit man mit einer derart tückischen Krankheit überhaupt leben kann. Der in Gelsenkirchen und Istanbul aufgewachsene Sipal hat mit «Santa Monica» eine...

Leipzig: Digital ist nicht besser

«Ein Drama in virtuellen und realen Räumen», so ist Volker Schmidts neuer Theatertext «Eigentlich schön» untertitelt. Darin geht es um die recht banale Geschichte einiger urbaner Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, von denen die einen mit den anderen zusammen sind und mit noch anderen fremdgehen. Ein Stück also um Liebe, Sex, Beziehung, Freundschaft,...

Impressum

Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

 

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95...