Die Kraft zum Widerspruch
Er ist überliefert, der Stoßseufzer eines hilfsbereiten Beraters aus westlichen Gefilden, eingereist ins Thüringische: «Was für ein Land – auf jedem Berg ’ne Burg, in jedem Tal ein Museum und in jeder Stadt ein Theater!» In der Tat, das mit seinen rund 16.000 Quadratkilometern und noch rund zwei Millionen Einwohnern kleinste Bundesland, gern «das grüne Herz Deutschlands» genannt, hat derzeit nicht weniger als neun Mehrspartentheater.
Der Repräsentationsbegierde alteingesessener Adelsgeschlechter verdankte jede Residenz ihr Theater, dazu auch noch so ganz winzige wie die Liebhaberbühne zu Kochberg oder das Konrad-Ekhof-Theater im Schloss Friedenstein zu Gotha. Die Intelligencia thuringiae weiß sich als stolze Erbin deutscher Klassik, kaum ein Steig, keine Gasse, auf denen nicht einer der Großen wandelte.
Auch Rudolstadt, das Städtchen an der Saale, ein wenig geduckt anmutend unter der wuchtigen Heidecksburg, imposanter Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, mit seinen noch 25.000 Bewohnern (über 30.000 waren es in der DDR-Zeit) und einer Arbeitslosenquote, die immer in Richtung von 20 Prozent tendiert, hat sein Theater. Und dieses Theater hat eine Geschichte, mehr als zweihundert ...
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