Die Komödie und ihr Preis
«Nackte Tatsachen», das Stück im Stück, steht kurz vor der Premiere, die Generalprobe zieht sich in die Nacht. In Katrin Bracks klapprig wirkendem Sperrholzbühnenbild über zwei Etagen hecheln die Schauspieler hinter ihren Figuren durch eine zotige Schmierenkomödie. Schauspielerin Traute von Dorffmanstrautt (Victoria Trauttmansdorff) kämpft lasziv entnervt als Fräulein Klangel mit den Requisiten: Rollmöpse, Zeitung, Telefon, Taschen und nebenbei Telegymnastik in einer Kulisse mit sieben klemmenden Türen.
Die unterschwellige Aggression des Ensembles auf der Bühne richtet sich gegen den Regisseur Rolf Knob (Felix Knopp) im Zuschauerraum. Auf die verzweifelt vorgetragenen Sinnfragen, die der dürftige Stücktext durchaus aufwirft, weiß er keine Antwort. Stattdessen hält er sich an die weiblichen Reize: Mit der so erfahrenen wie hinterfotzigen Kollegin Elena Meyerthor (Oda Thormeyer) verbindet ihn bereits ein gemeinsames Kind, die entrückte Jungschauspielerin Lulu Meisterhag (Lisa Hagmeister) gewinnt er als Geliebte, die beflissen ergebene Regieassistentin Tini (Cathérine Seifert), die von ihm ein Kind erwartet, muss er abschütteln. Die Endprobe bewegt sich erwartungsgemäß ins Chaos. Auf ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Chronik Hamburg, Seite 57
von Anja Sackarendt
Für pathos- und patriotismusimmune Zeitgenossen ist «King Arthur» eine ziemliche Herausforderung. Gepusht von atmosphärischen Gesangseinlagen, konkurrieren der titelgebende britische Good Guy und der sächsische Bad Guy Oswald in John Drydens und Henry Purcells «Semiopera» nicht nur um Grund und Boden, sondern vor allem um eine blinde, blondgelockte Emmeline, die zu...
Der Abend zerfällt in zwei Teile. In jenen vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie und jenen nach dem Attentat. Der erste Teil: nervös, aufbrausend. Der zweite Teil: lähmend, vor sich hin siechend. Dazwischen: ein schwarzes Loch. Es klafft wie eine große Leerstelle in Biljana Srbljanovic’ neuem Stück, auch wenn...
Unter dem Vorhang blitzt ein Schuh. Als sich der Vorhang lüftet, gehört der Schuh zu einer Leiche und die Leiche zum ersten Fratzenbild, das Regisseur Herbert Fritsch dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt ins Komödienschuhfach geschoben hat.
«Die Physiker» spielen im Irrenhaus. Wobei Fritsch die Raumfrage wie üblich selbst gelöst hat, und zwar einfach raffiniert....
