Die Geschichte geht weiter
Noch bevor es richtig losgeht, sind sie alle baden gegangen. Zwei Paare, zwei Kinder, zweieinhalb Generationen bundesdeutscher wochenendalkoholisierter gehobener Mittelstand sind schneller abgesoffen, als sie denken konnten. Man hatte eine kleine Bootspartie auf dem See neben der Villa unternommen, da war ihnen die alte Calypso vollgelaufen. Die griechische Göttin hatte einst Odysseus beherbergt und mit neuem Schiff versehen, doch von solchen zukunftsweisenden Gaben ist man heutzutage am wohlsituierten Seeufer weit entfernt.
Das Vermögen stammt aus einem Bürogroßhandel der Wirtschaftswunderjahre, ergänzt durch Maklergeschäfte, der Firmengründer ist eines Tages sang- und klanglos an einem Schlaganfall gestorben, und seine geschäftstüchtige Witwe Marion lebt nun mit einem durchschnittlich verachteten Liebhaber Gunter, einst ihr Angestellter aus der Materialverwaltung. Dann gibt es noch einen Sohn, ein befreundetes Arztehepaar mit Tochter, dazu mit ansteigendem Alkoholpegel die üblichen Sticheleien, über und unter der Gürtellinie. So in etwa die Verhältnisse.
Jürgen Gosch hat Roland Schimmelpfennigs «Calypso» auf der großen Bühne des Hamburger Deutschen Schauspielhauses einen ...
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Michael Merschmeier Wir haben zusammen Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows «Onkel Wanja» im Deutschen Theater gesehen. Ihr Vater war Arzt, Sie haben auch Medizin studiert. Ist die Figur des Doktor Astrow Ihrer Erfahrung nach eine Karikatur: ein Trinker, der kaum arbeitet, aber über zu viel Arbeit klagt?
Jürgen Zöllner Die Kombination Arzt und viel Arbeit ist...
Das Rührendste kam zum Schluss: Da verbeugte sich Nuran Calis inmitten seines Teams so ungelenk, so wacker bemüht, der Applaus-Etikette Genüge zu tun, dass der Beifall schier kein Ende nehmen wollte. Es war ohnehin ein Klatschen der gerührten Herzen. Wann hatte man zuletzt einen so ungehemmt naiv und unironisch gespielten Klassiker gesehen? So ungebrochen auf die...
Nein, besonders interessiert hätten Kinder sie nie, hat Helen Levitt einmal zu Protokoll gegeben. «Sie waren einfach da, auf der Straße.» Einfach da: So unsentimental bringt die große alte Dame der amerikanischen Fotografie ihre Arbeit auf den Punkt. Eine Arbeit über fünf Jahrzehnte mit einem ungewöhnlich schmalen, aber scharfen Fokus: Abgesehen von den Erträgen...
