Die besonders Allgemeinen
Lifestyle-Bloggerin Maryam ist durchaus zu Kompromissen bereit. Zwar nicht, wenn es darum geht, sich die Milch für die dreijährige Tochter Delete abpumpen zu lassen, die immer noch gestillt wird. Auch nicht, wenn es um das abgelehnte Asylgesuch ihres Cousins Yousef geht, der überraschend abgeschoben werden soll. Aber an einer gutbezahlten Realityshow über «Gutmenschen» von «Servus TV», dem Haussender von «Red Bull»-Chef Dietrich Mateschitz, die moralfeste urbane Hipster der Lächerlichkeit preisgeben soll, nimmt sie gerne teil.
Auch wenn sie die Sache mit der Lächerlichkeit natürlich anders sieht.
Die großen und kleinen Widersprüche im Leben der jungen urbanen Bohème-Eliten waren schon das Thema in «Lost and Found», Yael Ronens Vorgängerinszenierung am Wiener Volkstheater 2015. Da war eine weitverzweigte Patchwork-Familie um Maryam und ihren schwulen Freund Schnute, mit dem sie per Inseminationsspritze eine Tocher gezeugt hat, in ihrem politisch korrekten Alltag gehörig außer Tritt geraten: Plötzlich stand der entfernt verwandte Yousef vor der Tür, gerade frisch aus dem Irak geflüchtet. In «Gutmenschen» wohnt besagter Cousin immer noch im Kinderzimmer von Maryams älterem Sohn, dessen ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Franz Wille
wir begreifen die ruinen nicht eher,
als bis wir selbst ruinen sind.
heinrich heine
gelobt seist du niemand
paul celan
das stück spielt in keinem garten nahe wien, der von keinem zaun umgeben,
in dem keine exotischen gewächse sich ranken.
zwischen keinen blüten, die keine verführerischen düfte verbreiten
und keinen früchten, die nur der zierde dienen.
in keinem...
Dieser Blick, überlegen, lauernd, unheimlich – dass der Kerl im Seidenanzug beruflich irgendwas mit schwarzer Magie macht, glaubt man sofort. Tartini heißt der zwielichtige Zampano aus Thomas Arzts neuem Stück «Die Anschläge von nächster Woche». Dominik Lindhorst-Apfelthaler spielt ihn in der Heidelberger Uraufführung mit einer Spur von Wahnsinn in den immer etwas...
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
