Die Banalität des Bösen
Bekannt wurde die 1977 geborene Rumänin Gianina Carbunariu durch ihre Arbeiten als Autorin und Regisseurin in der Freien Szene. Ihre jüngsten Performances aber entstanden zunehmend als internationale Koproduktionen in Repertoiretheatern. Kürzlich erhielt sie auch den renommierten rumänischen Theaterpreis UNITER für dokumentarisches Theater (der eigens für ihre Arbeit kreiert wurde), ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung, die sich die notorisch unterschätzte Freie Szene endlich in der stark am Mainstream orientierten konservativen rumänischen Theaterlandschaft verschafft hat.
International wurde Carbunariu erstmals wahrgenommen als Autorin und Regisseurin von «Kebab», ein Stück über junge rumänische Immigranten in Irland. Ihre letzten Arbeiten basieren alle auf dokumentarischen Recherchen in Archiven und Gesprächen, denen sie in einem fiktionalen Rahmen Form gibt. So hat sie ein unverwechselbares Format geschaffen: eine performative Doku-Fiction von großer sozialer und politischer Relevanz. Sie untersucht die jüngste rumänische Geschichte und ihre sozialen Fragen und gibt Themen Raum, die das rumänische Theater sonst meidet und die in den Medien verkürzt und verfälscht ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Ausland, Seite 40
von Andrea Tompa
Hat die Dame wirklich (schon) das Zeug zur Theaterfigur? Sicher, das, was man ihr nachsagt, ist wie aus dem Shakespeareschen Charakter-Fundus: «Die Raffinierte», «Königin der Macht», «Die heißkalte Frau», «Die Unterschätzte», gar eine «Lady Eisenherz» soll sie ja sein. Und doch sagen irgendwie alle «Mutti» zu ihr. Wie geht das zusammen? Und vor allem: Wie prickelnd...
Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines...
Der Kolonialismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. Anno 1899 waren die Verhältnisse noch erfreulich übersichtlich. Joseph Conrad schrieb sein «Herz der Finsternis», und Kapitän Marlow schipperte im Auftrag einer belgischen sogenannten Handelsgesellschaft den Kongo hinauf auf der Suche nach einem Elfenbeinagenten, der dort ein finsteres Schreckensregime...
