Die Angstmacherei funktioniert – noch

Der Schriftsteller Dogan Akhanli ist nach zwei Monaten Zwangs­aufenthalt in Spanien wieder frei und spielt weiter in Nuran David Calis’ Kölner Produktion «Istanbul». Ein Gespräch über Erdogans Türkei, Folter, Flucht und Perspektiven

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Cornelia Fiedler Herr Akhanli, Sie sind frisch zurück in Deutschland, zwei Monate saßen Sie in Spanien fest, Grund war ein internationaler Haftbefehl der Türkei. Jetzt stehen Sie wieder in «Istanbul» von Nuran David Calis am Schauspiel Köln auf der Bühne (s. TH 7/17 S. 27f.). Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrem Auftritt in der Stückentwicklung, in der Sie scharfe Kritik an der Regierung Erdogan äußern, und ihrer Festnahme?

Dogan Akhanli Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, ich weiß es nicht sicher.

Natürlich ist das, was wir da in «Istanbul» tun, aus türkischer Perspektive unerträglich. Nicht nur der Inhalt, also dass wir kritisch über die türkische Politik diskutieren und den Gründungsmythos der Türkei in Frage stellen. Sondern auch, dass dieser Inhalt in einem etablierten bürgerlichen Raum, im Schauspielhaus vorgetragen wird.

Fiedler Das Besondere an «Istanbul» ist ja auch, dass hier Leute aus der türkisch-deutschen Community trotz massiver Differenzen das Gespräch miteinander nicht aufgeben. Die türkische Regierung setzt dagegen gezielt auf Spaltung.

Akhanli Genau, unser Stück ist ein Gegenprojekt dazu. Erdogan will polarisieren und separieren, wir wollen ein ...

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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Cornelia Fiedler

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