Der wüste Sturm
Was weiß Elfriede Jelinek eigentlich vom Irak-Krieg? Oder von Abu Ghraib? Oder Bagdad? Jemals dort gewesen? Bisschen recherchiert? Einen kleinen Wüstenhauch Realität gespürt, als embedded dramatist vielleicht? Oder auch nur in Fernseher, Internet und Zeitungen gestarrt, die Berichte, Reportagen und Analysen der umgehend angereisten Edelfedern gelesen sowie manches andere, was man aus den Medien so erfahren kann? Wahrscheinlich weiß Elfriede Jelinek das meiste über den Irakkrieg, was man von Wien und München aus wissen kann. Also alles. Also gar nichts. Aber das umfassend.
Danach ist mehr als genug gesagt, und nichts erhellt. Wer nach den über 250 sturzbachartigen Monolog-Seiten von «Bambiland», der Kriegs-Mitschrift, und «Babel», dem Nachkriegs-Traumaprotokoll, noch einen klaren Gedanken fassen kann, hat nicht genau gelesen. Der wüste Sturm aus Gedankenketten und Medienfetzen, Theoriebruchstücken und Sprachspieltrieb, ächzenden Kalauern neben erlesenem Formulierungsfeinschliff, vorangespült von einem hemmungslos mitteilsamen Hausfrauentratschton, überschwallt nach mehreren Lesestunden mühelos jede verbleibende Resthirntätigkeit. Mit einer zauberhaften, nervtötenden Leichtigkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Meiningen rollen Köpfe. Zwar derzeit nur auf der Bühne, aber es ist kein Geheimnis, dass manche Besucher im Parkett – wenn sie überhaupt noch kommen – auch gerne in der Intendanz so aufräumen würden, wie es Jarg Pataki in seiner Inszenierung von Büchners «Dantons Tod» radikal und unerbittlich vorführt: Kein Haupt bleibt da mehr auf dem Leib, die Macht wird neu...
Warum ist Sarah Kanes Werk auf dem Kontinent so populär?», wunderte sich kürzlich der Theaterkritiker Michael Billington im britischen «Guardian». Frisch zurückgekehrt von einem Sarah-Kane-Symposium an «Berlins leading theatre, the Schaubühne», berichtete der erstaunte Engländer von einem wahren Feuerwerk der Wertschätzung, das der Autorin am Lehniner Platz zuteil...
Aus dem hell erleuchteten, voll besetzten Parkett des Hamburger Deutschen Schauspielhauses steht ein Theaterbesucher auf, geht im Businessanzug, den Schlips richtend, nach vorn und stellt sich und seine Problemlage dem Publikum als sein eigener Werbe-Promoter mit kaltem Charme vor: Der Chef, Othello, hat ihn, Jago, bei der ihm eigentlich zustehenden Beförderung zum...
