Der Verleger
Erhard Friedrich war nicht nur ein erfolgreicher, er war auch ein leidenschaftlicher und immer wieder zu neuen Zeitschriftengründungen geneigter und verführbarer Verleger. Nicht immer hielt seine Risikobereitschaft die Waage mit der kühlen und penibel abwägenden Unternehmervernunft. Aber in entscheidenden Momenten kamen, und das erst macht den bedeutenden Verleger, publizistische Leidenschaft und kaufmännisches Kalkül zusammen.
Lange Jahre war Erhard Friedrich der aufmerksamste und kritischste Leser der Zeitschriften, die er herausgab.
Er hatte ein unbestechliches Urteil über das, was in seinem Verlag erschien. Es lohnte sich immer, mit ihm ein Heft durchzugehen, er hatte jeden Artikel beim Lesen mit knappen Anmerkungen versehen. Das brachte nicht zuletzt deshalb viel ein, weil er auf keinem der Gebiete, die in den Zeitschriften behandelt wurden, in der Gefahr war, sich ins jeweilige Gebiet fachmännisch eng zu verbeißen und die möglichen und notwendigen Leser darüber zu vergessen. Sein Impetus, im Grunde ein aufklärerischer, galt über das jeweilige Fachgebiet hinaus dem Ganzen der Gesellschaft.
Ich lernte Erhard Friedrich 1957 kennen, als ich Geschäftsführer des hannoverschen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ihr Mund ist es, der einen verfolgt. Wenn Almut Zilcher den Mund öffnet, meint man, die Bühne verwandle ihr Format – von der Totale zur Großaufnahme. Ist er stumm, dieser Mund, oder seufzt er, giert er, lacht, weint oder schreit er? Der Schrei, so Jean-Jacques Rousseau, gebäre sich aus dem Willen zum Überleben des Menschen. Mit ihm verwildert die Stimme, echot...
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule...
Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...
