Der schnelle Weg nach Osten
Dieser Trigorin ist nicht von hier. Nicht, dass er keine Manieren hätte, die Sprache nicht beherrschte oder der einzig Blonde unter Brünetten wäre. Es sind Nuancen, die den etablierten Schriftsteller aus Tschechows «Möwe» von der Theaterfamilie unterscheiden, in der er als Freund und Begleiter der Schauspielerin Irina Nikolajewna Arkadina (Eszter Csakanyi) zu Gast ist: Man hört seinem Ungarisch noch die Mühe an, jeden Akzent zu vermeiden.
Man spürt, dass sein Selbstverständnis als Künstler sich deutlich von dem der älteren Arkadina, ihres Sohnes Kostja und dessen Flamme Nina (Annamária Láng) unterscheidet: Er ist reflektierter, kontrollierter, ein Intellektueller unter lauter Gefühlsmenschen. Und wenn er die Spinnenbeine übereinanderschlägt und die schmalen Finger nachdenklich gegen die Lippen tippt, sieht man, dass dieser Trigorin zu seinem Körper ein ähnlich distanziertes Verhältnis pflegt wie zum Clan der Diva, der sich auf dem Landgut ihres Bruders Sorin zusammengefunden hat.
Der Schriftsteller Boris Trigorin hat in Árpád Schillings Inszenierung der «Möwe» mit seinem Darsteller, dem Deutschen Tilo Werner, nicht alles, aber einiges gemeinsam. Beide sind jung und ehrgeizig und ...
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In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...
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Dass es nicht mehr opportun ist, das künstlerische Genre der Fernsehserie gering zu schätzen – das spricht sich herum. Aber wenn dieser noch vor wenigen Jahren eher belächelten Kunstform inzwischen sogar moralische Qualitäten nachgesagt werden, horcht man doch immer noch auf. Wie erst, wenn das Ganze weltpolitische Maßstäbe annimmt!
Schenkt man der «taz» Glauben,...
