Der Schlauch tut’s auch
Vor zwei Jahren hat sie mit ihrem Debutstück «Von den Beinen zu kurz» auf Anhieb den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Nun gab es nach dem ersten Erfolg von Katja Brunner eine weitere Uraufführung eines Stückes, dieses Mal inszeniert von der Regisseurin, die in Hannover für «Von den Beinen zu kurz» eine entrückte Bildwelt erfunden hat. Man denkt an diese Hannoversche Inszenierung, wenn Heike M. Goetze in Luzern mit Brunners neuestem Theatertext antritt.
«Geister sind auch nur Menschen» spielt in einem Altenheim. Es spricht vor allem «Frau Heisingers Inneres».
Dazu kommen eine «nicht zu bestimmende Anzahl am Altern Teilnehmender» sowie «Pflegefachkräfte und Pflegefachschwächen». Frau Heisinger kann noch selbst denken, wünscht sich lebenserleichternde Maßnahmen und kotet aus Protest die Wände voll. Ansonsten sind die Heiminsassen Trabanten auf dem Weg ins Nichts. Hin und wieder kommt es zur Interaktion, dann sagt einer Sätze wie: «Ich hätte da eine Bitte, bitte nicht mehr neben der Frau Heisinger speisen zu müssen, jetzt, wo meine Tage gezählt sind, will ich es noch schön haben.»
Alte können brutal sein wie Kinder, müssen aber auch einstecken. Essen sie nicht schnell genug, werden ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Jürgen Berger
Wien hat die Schlacht wacker bestanden», berichtet die «Berliner Zeitung» am Tag nach der Premiere von Frank Castorfs jüngster Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow». Der Berichterstatter wirkt erkennbar mitgenommen, wenn auch um Sachlichkeit ringend. Er hatte «Heroismus bis zur Schmerzgrenze» gesehen und Menschen am Rande des Zusammenbruchs: «Keiner in...
Wenn wir schlafen, arbeiten wir», erklärt der freundliche Schlafforscher von der Leinwand in der Creation «EXIT» von Kris Verdonck. «Im Schlaf setzen wir die Teile unserer Erlebnisse zu etwas Neuem zusammen wie ein Schuster einen Schuh.» Das Publikum sitzt und liegt auf Polstern. Eine Tänzerin vollführt eine Bewegungsfolge, die sie über die Dauer einer dreiviertel...
Kinder, heißt es ja gerne, sind das beste Publikum. Mein Sohn, der bald seinen fünften Geburtstag feiert, hat ihn noch, diesen unmittelbaren Ausdruck bar jeder bildungsbürgerlichen Publikumskonvention: Wenn ihn das Bühnengeschehen interessiert, folgt er ihm aufmerksam, stellt viele Fragen und ruft Kommentare in den Raum. Wenn es ihn langweilt, schaut er sich sehr...
