Der fleischfarbene Anzug der Avantgarde
Vielleicht hatte man «The Theatre» doch unterschätzt. Nachdem International Festival – so nennen sich Architekt Tor Lindstrand und Choreograf Marten Spangenberg – im Presseheft erläutert hatten, dass das Provisorium auf dem Grazer Karmeliterplatz nicht nur ein Bühnenzelt, sondern ein kollektives Performance-Kunstwerk, «temporäre Intervention» und «soziale Interaktion» war, für die zwei Jahre lang 40 Künstler «kollaboriert» hatten, hätte man die beiden Schweden fast unter heißer Luft verbucht.
Doch dann fand man sich morgens um drei im Vorzelt dieser theatralen Wundertüte, schlürfte den x-ten gereichten «Squashed Frog» (Schnaps, grüner Wackelpudding, Vanillesauce) und freute sich, dass die soziale Interaktion wie geschmiert lief.
40. Geburtstag
Und es gab ja auch etwas zu feiern. Das interdisziplinäre, natürlich der Kleinschreibung verpflichtete Kunstfestival steirischer herbst wurde 40 – und mit ihm die Tradition, das konservative, geschäftstüchtige Graz der Unruhestiftung durch zeitgenössische Kunst auszusetzen. Elfriede Jelinek und Peter Handke lasen hier Ende der 60er Jahre, Hermann Nitsch, Hans Haacke und Christoph Schlingensief setzten Duftmarken. Doch die Tradition ist ...
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