Den Puls fühlen
Du stehst auf einer Holzplanke, 80 Stockwerke über der Erde. Wacklige Knie, feuchte Hände. Du hast die Wahl. Gehen oder Erstarren? Richies Planke ist das einzige Erlebnis, das es Dir erlaubt, Objekte aus der wirklichen Welt in der virtuellen Welt zu klonen, und damit die Immersion zu steigern». So wirbt das australische Spielentwickler-Team «Toast» für sein Virtual-Reality-Spiel «Plank Experience», das den mit einer VR-Brille ausgestatteten Betrachter/Spieler erleben lässt, was es heißt, in 160 Meter Höhe auf einem schmalen Brett über dem Abgrund zu balancieren.
Ich weiß gut, dass nur das Holzbrett echt ist, alles andere aber lediglich das Resultat des in meiner VR-Brille eingespielten Filmes, gleichwohl hindert mich die Höhenangst am Weitergehen, lässt mich zumindest so furchtsam Schritt vor Schritt setzen, wie es dem schmalen Brett über dem Abgrund angemessen wäre. Und nicht anders ergeht es denen, die am gleichen Tag vor und nach mir im Treppenhaus des Frankfurter Kunstvereins, ausgestattet mit der VR-Brille, die Fahrt mit dem virtuellen Aufzug ins 80. Geschoss eines imaginären Wolkenkratzers antreten. Wenn sie aus der Tür auf die Planke über dem Abgrund zu treten glauben, ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Essay, Seite 48
von Nikolaus Müller-Schöll
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