Debatte: Das schlafende Tier

Herbert Fritsch, Klaus Staeck und Peter Licht sprechen über die «Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste

Theater heute - Logo

Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary – die eingeladenen Künstler taten. «Das Publikum ist ein Mysterium, ein Ungeheuer», grinste etwa Herbert Fritsch vom Podium.

Und weil es so unkalkulierbar sei, täte man beim Inszenieren eben auch am besten daran, sich vollständig auf die eigene Person zu verlassen: «Gerade, wenn man selbst etwas nicht so richtig gelungen findet, gefällt denen das plötzlich», schwang sich Fritsch in höhe­re dialektische Gefilde auf und kanzelte bei dieser Gelegenheit en passant die Mär vom «Zielpub­li­kum» ab.

Mit der poesieverdächtigen Wendung vom «schlafenden Tier, das in der Dunkelheit liegt», strich anschließend auch der Musiker und Autor PeterLicht die Raubtier-Qualitäten des Publikums heraus – welches die schillernde Animalismus-These allerdings live direkt widerlegte: Die Tatsache, dass sich «das Publikum» oben, auf dem Podium, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Die Welt und ihre dramatische Haltigkeit

Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...

Wien: Wie gewonnen, so zerronnen

Gott heißt Otto und schläft im Nebenzimmer. Gemeinsam mit seiner Frau Anna (Margarethe Tiesel) betreibt er eine Pension mit vier Dauermietern. Der pensionierte Literaturprofessor Ewgenij Goldwasser (Steffen Höld) wohnt hier, die daueralkoholisierte Kneipenmusikerin Gratsche (Myriam Schröder), die Grundschullehrerin Matuschka (Nicola Kirsch) und der Angestellte Paul...

Auf der Suche nach dem Wurf

Ein riesiger Schacht hat sie geboren. Unter Trommelschlägen. Aus dem kleinen Lichtfenster am fernen Ende trollen sie heran, die Hexen, die Soldaten, ungeschieden, «foul is fair and fair is foul». Leiber über Leiber, Atem zwischen Atmen, Hecheln, Röcheln. Ein Körperknäuel rollt Tilmann Köhler an den Anfang seiner «Macbeth»-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin....