Das Wachsen der Berge
Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben. Das Hawaiihemd und die Muslimkappe sehen da vergleichsweise übertrieben, zumindest ungewohnt aus, so, als wollte Gulda sich als Künstler stilisieren, also verkünsteln.
Sofort denkt man auch, wenn man so denkt, ob wohl auch sein Klavierspiel etwas Übertriebenes, Exaltiertes oder Manieriertes hat, und damit dem Mozart schaden könnte – und hört ganz genau hin. Da ist aber nichts. Sein Mozartspiel kommt leicht daher und witzig. Und Guldas Kleidung ist schon fast nicht mehr zu sehen. Weil sein Spiel eindeutig und damit aufmerksamkeitsdominant ist.
Natürlich könnte er noch ein bisschen feiner spielen – oder noch fulminanter. Solange er die Menage der Kunst im Blick behält, gibt es da keine Grenzen. Aber es scheint, dass das Äußerste an Gulda/Mozart erreicht ist. Vielleicht würde alles zusammenbrechen, wenn Gulda jetzt auf ...
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