Das Vermächtnis der Gene
Der Maßstab, an dem sich das Projekt Ruhrtriennale zu messen hat, wurde in gewisser Weise von Johan Simons selbst gesetzt. Während der Gründungs-Intendanz von Gerard Mortier inszenierte dessen jetzt vierter Nachfolger in der Jahrhunderthalle Bochum «Sentimenti». In der Kreation aus literarischer Erzählung (Ralf Rothmanns Ruhrgebiets-, Familien- und Entwicklungsroman «Milch und Kohle»), Musik (Arien von Verdi), Raum (ein mit Brikett ausgelegter Plafond), historischem Bewusstsein und ästhetischer Überformung fand das NRW-Festival zu seiner Bestimmung.
In einem Netz aus Dialog- und Konfliktlinien waren Emotion und Abstraktion, Immanenz und Transzendenz fein versponnen. Das Verarbeiten solcher Gewebe-Muster haben sich die drei zentralen Schauspiel-Produktionen der Saison 2016 ebenfalls vorgenommen.
In Danièle Thompsons aktuellem französischen Film über Emile Zolas «Zeit mit Cézanne» sagt der Maler zu seinem Schriftsteller-Freund: «Ich möchte so malen, wie Du schreibst.» Für Luk Perceval, der auf der Ruhrtriennale in Koproduktion mit dem Thalia Theater eine Trilogie entlang des Rougon-Macquart-Zyklus entwickelt, könnte gelten, so inszenieren zu wollen, wie Cézanne malt: Konturen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2016
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Andreas Wilink
Museumswärter singen eigentlich nicht. Aber in einem kleinen Privatmuseum für eine der berühmtesten Ehebrecherinnen der Literaturgeschichte passt die Begleitung durch unsterbliche Jazz- und Popsongs ganz gut zur Feier des Vergangenen. Geht es in der modernen Volksmusik von Louis Armstrong bis Britney Spears, mit der hier die Geschichte von Flauberts...
Die AfD stürmt die Landtage, der sogenannte IS attackiert europäische Werte und vermeintliche Sicherheiten, die postkoloniale Gegenwart holt uns in Form von Millionen Flüchtenden ein, und im Kino haben Superhelden und andere Weltretter Hochkonjunktur. Kein Wunder, dass Thomas Köcks «paradies fluten (verirrte sinfonie)» den sicheren Weltuntergang gleich an den...
Wilfried Schulz ist von Dresden nach Düsseldorf geeilt, um das darniederliegende Schauspielhaus endlich wieder wachzuküssen. Allerdings fand er dort er nur eine Tiefgaragen-Baustelle. Jetzt soll es ein lauschiges Zelt richten: der Start am Rhein.
Einer muss es ja machen: «Europa verteidigen»! Das neue Stück von Konstantin Küspert in Bamberg – der Stückabdruck.
Fran...
