Das Prekarikaturen-Kabinett
Verdammt lange her, aber so wurde Thomas Ostermeiers Intendanz an der Berliner Schaubühne mal eröffnet, damals, vor 15 Jahren, als vollmundige Manifeste von Antikapitalismus sprachen, von Aufklärung und Repolitisierung. Als Ostermeier das Charlottenburger Bürgertum verschrecken wollte mit dem Blick ganz nach unten, in den «Personenkreis 3.1» von Lars Norén. Da trafen sich auf dem Drogenumschlagplatz die Penner und Outcasts, Nutten und Fixer des letzten Jahrtausends, und die Bürger erschreckten sich kein bisschen vor dem Menschenzoo, sondern gingen achselzuckend vor der Zeit raus.
Ostermeier revidierte seine großen Worte gründlich in den folgenden Jahren und fuhr seine größten Erfolge mit eleganter bürgerlicher Selbstzerfleischung à la Ibsen, Lillian Hellman und, seit neuestem, Yasmina Reza ein, die ihm «Bella Figura» eigens auf die Bühne und Nina Hoss’ schönen Leib schrieb. «Bella Figura» wäre überhaupt eine hübsche Überschrift für die Schaubühne 15 Jahre nach dem Manifest und höchst erfolgreich in der Marktförmigkeit angekommen.
In der Abflussröhre
Und dann das: Drei Wochen nach der Reza-Premiere lädt die Schaubühne tatsächlich wieder ein zum Weg ganz nach unten; nicht vom Hausherrn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Haus brennt, und die Feuerwehr streikt. Ihr Nachbar bietet Ihnen seinen Feuerlöscher an, fordert aber im Gegenzug die komplette Inneneinrichtung Ihres Hauses. Sie stehen im Rauch – also nehmen Sie das Angebot an, ohne sich zu fragen, ob Ihr Retter vielleicht auch derjenige ist, der das Feuer gelegt hat.
Mit dieser...
«In der Horde tut ihr Dinge, die ihr alleine nicht tun würdet.» Ja, da hat die Automatenstimme Julia wohl recht. Schließlich bringt sie die Teilnehmer von «Remote Karlsruhe» nicht nur dazu, sich per Kopfhörer rund eindreiviertel Stunden lang durch die Stadt leiten zu lassen, sondern auch dazu, in Demonstrantenhaltung mit gerecktem Arm durch die Fußgängerzone zu...
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95...
