Das Käthchen und sein Double
Eigentlich ist sie eine Penthesilea, Jana Schulz, diese merkwürdigste Schauspielerin im wenig merkwürdigen Schirmer-Ensemble, so bockig, unkokett und unbeirrbar. Doch jetzt spielt sie das Käthchen, das Kleist einmal die in der Hingabe ebenso starke Kehrseite der Amazonenkönigin genannt hat, und das ist Roger Vontobels Glück, lässt ihre sperrige Präsenz doch momentelang vergessen, wie verwirrt Vontobels Inszenierung des Kleistschen Ritterspektakels auf Hamburgs größter Bühne geraten ist.
Vontobel und seine Ausstatterin Heide Kastler hüllen Jana Schulz von Anbeginn in Schmutz und Fetzen; das honette Bürgerkind, des Waffenschmieds Theobald Tochter, aus dem erst ein Traum die Stalkerin des Grafen Wetter von Strahl macht, ist nicht einmal zu ahnen. Beim Femegericht, das hier im Publikum verteilte Choristen verkörpern, kauert sie am Boden, ein Bein geschient, zerfetzt die Unterwäsche, eine von Leidenschaft Versehrte und ganz bestimmt keine Partie für den deutlich älteren Grafen (Guntram Brattia) im weißen Gigolo-Anzug mit Rose im Knopfloch und viriler Halbglatze, ein unsicherer Performer unter Mamas (Irene Kugler) Knute. Dass der alt geworden Junge sich lieber mit der adretten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Louis hängt. Und zwar gründlich. Gerade hat der Kollege Partei-Ideologe das blutige, aber revolutionär-politisch korrekte Killer-Komplott erklärt, bei dem sich in den folgenden Stunden fast alle Figuren in Jean-Paul Sartres ideologiekritischem Nachkriegsstück schmutzige Hände holen werden – jetzt aber fehlen ihm plötzlich die Worte.
«Was sach ich da?», raunzt der...
Wenn sich im DFB-Pokal Regionalligisten mit Bundesligisten messen, sind diese Begegnungen meist die spannendsten und emotionalsten, und oft genug ist es nicht der Favorit, der den Applaus des Publikums und der Kritik erntet. Vor Begeisterung über ihre Auswahl trunkene Juroren hingegen, mit verlorenen Illusionen sich tapfer gegen «Frauen- und...
Die perfekte Woche: Kreta, zwei befreundete Paare, ein Minigolfturnier. Zwar ist die kompetitive Wirtschaft nicht ganz ausgeschaltet, und wer das Turnier verliert, muss den anderen das Hotel bezahlen. Aber «seit einem Jahr keine Pause, da muss man sich nicht schämen», nicht einmal als Schweizer. Zumal das pausenlose Jahr offenbar auch einigermaßen ereignislos...
