Das Bürgertum lebt

Zweimal Ibsen: Elmar Goerden inszeniert «Rosmersholm» in Bochum und Klaus Weise «Nora» in Bonn

Theater heute - Logo

Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen Expansion und Diffusion der bürgerlichen Lebensweise.


In Ibsens selten gespieltem Stück «Rosmersholm» von 1887 stürzen sich am Ende der Traditions­bürger Johannes Rosmer und die Aufstiegsbürgerin Rebekka West gemeinsam in den Mühlbach, weil von ihrer Liebe und ihren Lebensplänen nichts übrig blieb als allein die gemeinsame Schuld. Schuldfähig­keit im weiteren als juristischen Sinn setzt Kohärenz, Kontinuität und konstante Orientierung des Individuums voraus. Ibsen schrieb, es gehe um den «Kampf, den jeder ernst­hafte Mensch mit sich selbst zu bestehen hat, um seine Lebensführung mit seiner Erkenntnis in Einklang zu bringen».
   

Ernsthafte Menschen in Rosmersholm

Von solchen «ernsthaften Menschen», stabilen alteuropäischen Individuen, geht Elmar Goerdens Bochumer Inszenierung aus. An den Wänden im geräumigen Haus Rosmersholm ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2006
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Gerhard Preußer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dannys Bombe

Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Di­dak­tisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...

Würde der Frauen

Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eiser­nen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des...

Ins wunderbare Rom

Es heißt, Menschen könnten sich ändern. Aber eigentlich geschieht das so selten, dass Ausnahmen gerne in Kinofilmen und Romanen inszeniert werden, wo sie immer zu großen Rührstücken geraten. Wenn es tatsächlich möglich ist, dass ein Mensch sein Verhalten ändert – und zwar zum Positiven –, dann packt das den Zuschauer an seiner weichsten Stelle. In unserer erlernten...