Büchermagazin
Begnadet begeistern
Christoph Schlingensief: «Ich weiß, ich war’s»
Ich habe mein Leben lang das Gleiche gemacht, ich habe mich noch nie verändert in meinem Leben», stellt Christoph Schlingensief gegen Ende seines Buches «Ich weiß, ich war’s» fest. Tatsächlich belegt die Text- und Bildsammlung, die seine Frau Aino Laberenz jetzt posthum herausgegeben hat, diesen doch ziemlich erstaunlichen Satz – und sie zeigt zugleich, was für ein abenteuerliches und wildes Werk auf dieser Basis entstehen konnte.
«Ich weiß, ich war’s» gehört zu den letzten Projekten des im August 2010 gestorbenen Theater- und Filmregisseurs, geschmiedet im Wissen um seine unheilbare Krebserkrankung. Das Material dazu entstammt seiner Meisterdisziplin, der freien Rede. Auf jeder Station der Lesereise zu seinem Krebstagebuch «So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein», erklärt Aino Laberenz im Vorwort, habe Schlingensief seinem Publikum aus seinem Leben, vom Blick auf bestimmte Inszenierungen, Filme, Happenings erzählt. Diese Berichte wurden angenehm O-Ton-nah transkribiert und mit weiteren, älteren Aufzeichnungen, Briefen, E-Mails sowie üppigem Fotomaterial ergänzt.
Entstanden ist dabei ein ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt, Anja Quickert, Tobi Mueller, Franz Wille, Klaus Voelker, Michael Laages
Wer 23 Jahre nach dem Mauerfall immer noch missmutig in west-östlichen Differenzen herumstochert, könnte als Lockerungsübung den Dresdner Theaterabend «Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz» buchen. Denn der gemeine Sachse, legt diese dramatische Studie des Dänen Christian Lollike titelkonform nahe, laboriert an ganz ähnlichen Problemen wie seine Kollegen...
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
Zwischen einen schulplatzmietentauglichen «Hamlet» und ein frisch-unfromm-freies «Sportstück» platzierte man in Nürnberg zum Spielzeitbeginn zwei neue Bühnenwerke – well made plays, das eine weniger, das andere mehr, und in beiden stehen Männer im Mittelpunkt: einmal als recht bemitleidenswerte Gefühlskrüppel, das andere Mal als Kotzbrocken. Zum Freund möchte man...
