Buch: Liebe zum Dreck
Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigstens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften / experimentieren mit deinen Säften / Und es kann passieren / dass wir alle explodieren.» Wirkt wahnsinnig aktuell. Ist aber von Valeska Gert.
So kommentierte die tanzende Universalkünstlerin in ihrer heiligen Unangepasstheit die brutalen Umbrüche ihrer Zeit. Oder prophezeite die Folgen der blinden Technikgläubigkeit der Nachkriegszeit.
Die selbsternannte «Hexe» brachte es tatsächlich auch fertig, die «Hexe von Buchenwald», die unfassbar brutale KZ-Aufseherin Ilse Koch, in ihrem Kabarett «Hexenküche» in Berlin als Fratze des deutschen Horrors zu spielen, obwohl von ihrer eigenen Familie niemand das Nazi-Regime überlebt hatte – außer ihr und ihrem Bruder, der ebenfalls in die USA emigiriert war. «Ich bin nicht normal», sagte Valeska Gert über sich. Das stimmt. Und deswegen ist es so inspirierend, die Memoiren dieser tabulosen Frau ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Till Briegleb
Zweieinhalb Zimmer, Küche, Bad. Das macht 46 Quadratmeter. In der Platte. Im Großen Dreesch am Stadtrand von Schwerin. Ab 1971 als DDR-Vorzeigewohngebiet geplant und gebaut, im Grünen und am See, ist das Viertel längst zum Brennpunkt geworden. 62.000 Menschen belebten Ende der 80er Jahre noch den Dreesch, das am schönsten gelegene Neubaugebiet Ostdeutschlands,...
Sie haben Scheiße gebaut, und sie wissen es. Ohne bösen Willen, aber dennoch. Lesley (Mona Vojacek Koper), Inga (Charlotte Puder) und Tom (André Hinderlich) sind Mitarbeiter eines US- Kulturmagazins in Deutschland und warten auf den erlösenden Anruf aus New York. Das Vergehen ist das gezeichnete Cover ihres aktuellen Heftes, auf dem eine nackte schwarze Frau zu...
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
