Brillantes Solo
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche Vergebung, blickt übers stille Wasser und berührt einen Ring, Geschenk ihrer Eltern. Alles Lüge also: Sie habe ihn für einen Affen verkauft.
Lügen, Täuschungen, Betrügereien: Ein bitteres Ende hat diese «Komödie», die sich nur in der Heiratskonvention genretypisch auflöst. Eine zwiespältige Angelegenheit – erst recht für eine Filmadaption.
Die Titelfigur ist Jude, dabei kein Sympathieträger; ein Geldverleiher, der statt auf einer – verspäteten – Rückzahlung auf einem Blutopfer besteht. Dass Shakespeare in seinem Leben keine Gelegenheit hatte, Juden zu begegnen, weil sie aus England verbannt waren; dass Shylock in der Tradition Marlowescher Figuren eher legendären als realistischen Charakter hat; dass im späten 16. Jahrhundert vom Holocaust nichts zu ahnen war – das alles ändert nichts daran, dass jeder Regisseur, der sich ...
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So was nennt man wohl «schwierige Kindheit»: Wenn sich der Papa im Wohnzimmer mit der Klage «Mein Sohn, mein Sohn, warum hast du mich verlassen?» per Selbsttötungsmaschine an ein Holzkreuz nageln lässt, dann hat der 16-jährige Sohnemann sicherlich das Anrecht auf einen heftigen Knacks. Und wenn das Töchterlein im verwesenden Leichnam der Mutter heranwachsen muss,...
Die Achtziger sind endlich auch auf dem Broadway angekommen. Während Vokuhila-frisierte Dreißigjährige in den Nachtclubs des Hipster-Stadtviertels Williamsburg schon seit geraumer Zeit zum Mixtape-Soundtrack ihrer frühen Jugend tanzen, kann man die nostalgischen Geschmacklosigkeiten der Reagan-Ära jetzt auch im Westen von Manhattans Midtown bewundern. Das frisch...
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
