Brennpunkt Rostock: Kunst oder Abriss?
Um kernige Worte war Sewan Latchinian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu verkleinern. Auf einer Protestveranstaltung in Neustrelitz Anfang März verglich er die Schweriner Beschlüsse zu Theaterfusionen im ganzen Land mit den Kulturerbe-Zertrümmerungen der Terrormiliz Islamischer Staat.
Eine krasse Analogie, keine Frage. Aber die Rostocker Stadtregierung hat es noch immer verstanden, ihre Künstler an Krassheit zu überbieten. Und also beließ es ein eilig einberufener Hauptausschuss der Bürgerschaft nicht bei einer Abmahnung, sondern setzte den erst zu dieser Saison berufenen Intendanten Anfang April kurzerhand vor die Tür. Es wäre die sechste vorzeitige Entlassung eines Rostocker Theaterleiters seit 1989. Aber wie so oft in der Hansestadt färbt auch hier der Konjunktiv das Geschehen. Denn keine zwei Wochen später hat die Bürgerschaft den Gremiumsbeschluss kassiert und alle Beteiligten in die ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
Was passiert eigentlich, wenn das Universum zu einem spricht? Handelt es sich dabei um «eine Art farbiges Muster, als würde ein fremdartiges Bewusstsein Kontakt aufnehmen», verknüpft mit einer sanften Frauenstimme, die der menschlichen Sprache durchaus mächtig ist? Ein «blauer Punkt im Inneren», mit dem freundliche Gespräche möglich sind, in denen das Universum...
Der Widerspruch hielt sich in überschaubaren Grenzen, obwohl die Aufregung natürlich erheblich war, als Frank Castorf im «Zeit»-Interview verkündete, dass der Berliner Senat intensiv nach einem Nachfolger suche. 2017 soll seine dann über 25-jährige Intendantenherrlichkeit ein Ende haben. Ein paar seiner treuesten Fans (inklusive Claus Peymann) klangen eher eitel...
Tanz auf dem Minenfeld
She She Pops «Frühlingsopfer»
Seit ein paar Jahren ist es keine Sensation mehr, dass sich unter den zehn auserwählten Theatertreffen-Inszenierungen ein oder zwei in der Freien Szene wurzelnde Produktionen finden. Dieses Jahr allerdings wurde nur das post-marthalerische Theater des bis vor kurzem noch frei produzierenden Regisseurs Thom Luz...
