Brecht & Co
Ekkehard Schall, der fünfundsiebzigjährig in Buckow bei Berlin starb, hat während der gut 40 Jahre (1952–1995), die er am Berliner Ensemble verbrachte, viele große Brecht-Rollen gespielt: den tollkopfigen Sohn Eilif der Mutter Courage (auch im Film von 1958), den Gangster Ui, der aus der brütenden Verklemmtheit durch fanatisierende Autosuggestion sich ins gefährlich Demagogische, Hitlerische emporsteigert (ab 1959, ein Welterfolg).
Als Puntila (1975), als Richter Azdak im «Kaukasischen Kreidekreis» (1976), als Galilei (1978) reichte er, auch durch die matt-doktrinäre Regie Manfred Wekwerths, an die Vorgänger Leonard Steckel und vor allem an Ernst Busch nicht heran. Ein Höhepunkt dagegen, als der kleine, gedrungene, eminent sportive und überscharf machtbesessene Coriolan Schalls gegen den noch kleineren und ebenso angespannten Aufidius Hilmar Thates kämpfte und mit zähnebleckendem Hohn siegte (1961). Was seinen Figuren an Charme, Humor, humanem Fonds fehlte, suchte er duch Schärfe, kalkuliert hergestellte Präsenz, artistische Brillanz auszugleichen.
Als Gatte der Brecht-Tochter Barbara Brecht-Schall hatte er darüber hinaus teil am Geldstrom aus dem Brecht-Erbe, über den Fall der DDR ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Sofa ist ein Sofa ist ein Sofa? Einerseits ja. Bis 1990 in der DDR bestimmt. Danach wurde es wie die Kunst an der Wand, die Hose am Bein und das Fingerfood in der Hand zu etwas anderem: einem Distinktionsmerkmal. Einem Verschleierungsinstrument. Das richtige Sofa, die richtige Kunst, die richtige Frau und die richtige falsche Betonung gewisser Wörter wie Dynamo...
An einem bedeckten Sonntagvormittag im Juli auf dem Grazer Hauptplatz. Ein paar Wurstbuden und Cafés haben schon geöffnet, aber das kann nicht der Grund sein, warum sich eine ansehnliche Menschenmenge in Schwarmformation kreuz und quer über den Platz bewegt. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen schmächtigen Mann mit Brille, Baskenmütze und blauem...
Als Anfang Juni aus Meiningen die Nachricht kam, der Vertrag des Intendanten Res Bosshart werde nicht nur im Jahr 2007 nicht verlängert, sondern der Theaterchef müsse sogar vorzeitig und zwar bitte sofort gehen, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Meiningen und Bosshart: Das war seit Beginn der «Zusammenarbeit» in der Spielzeit 2002/03 eine ungute...
