Bildet neue Banden!
Der einzige Ausweg der Männer ist der Weg der Bande», heißt es einmal in August Strindbergs «Der Vater». Eine solche Männerbande stapft auch durch Nicolas Stemanns Inszenierung des Dramas: sieben Kerle mit prächtigen Vollbärten und Holzfällerhemden, die volltönend launiges Liedgut anstimmen wie «Ein Prosit der Gemütlichkeit» und «Olé, wir fahrn in Puff nach Barcelona». Natürlich sind auch Karohemden und Bärte in urbanen Hipster-Kontexten keine Gewähr für unverbrüchliche, heterosexuelle Männlichkeit.
Doch im Vergleich zu der Bande, die in Toshiki Okadas «No Sex» eine Karaoke-Bar betritt, sind die Gartenzwerge der Camerata Vocale überaus eindeutige Testosteronschleudern.
Die vier Gestalten, die sich in Mr. Matsumotus Etablissement zum Singen und (ein! kleines!) Bier Trinken einfinden, sind laut der Namen ihrer Darsteller Thomas Hauser, Christian Löber, Benjamin Radjaipour und Franz Rogowski zwar männlichen Geschlechts. Mit jedem ihrer minimalistischen Kleidungsstücke – plissierter Rock, transparente Bluse, figurbetonter Anzug, gegürtete Kutte –, sorgfältigem Make-up und Frisuren streicht Modedesignerin Tutia Schaad die Androgynie ihrer nach Zierpflanzen benannten Modelle hervor, ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
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Regieren kommt von Gier. Da hat der Herzog Vincentio erstens recht und zweitens den wunden Punkt so ziemlich aller Staatssysteme getroffen, die vor und nach William Shakespeare denkbar waren. Nur Vincentio selbst, dem ist die ewige Volksbeherrscherei lästig. Auch scheint das Gros der Untertanen seinen Stil, das Laissez-faire, kaum noch zu schätzen. Also verordnet...
Als Theatermacher und insbesondere als einer, der fürs Theater Dialoge schreibt, glaube ich, dass Amerikas Rückzug aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Kern die Ausrufung eines neuen Zeitalters bedeutet. Die Art der Dialoge, mit der wir heute zu tun haben, zeigt vor allem eins: dass die Zeit der Dialoge vorbei ist. Die Zeiten, da wir noch miteinander sprachen,...
