Berlin: Take five!

Thomaspeter Goergen nach Oscar Wilde «Salome» (U)

Theater heute - Logo

Niemand kann so schön schmollen wie Benny Claessens. Wenn sich das Gesicht in den kate­gorischen Widerspruch eines Kleinkinds verknautscht, die Stimme eine Oktave in die Höhe fährt, der mächtige Körper sich in ein Gebirge aus Trotz verwandelt. Wenn Salome schmollt, dann will er/sie wirklich nicht. Aber warum, das ist hier eine gute Frage. 

Ersan Mondtag (Regie und Bühne) geht Oscar Wildes «Salome» – oder was davon in der Überschreibung von Thomaspeter Goergen noch übrig ist – als trashiges Weihnachtsmärchen an.

Allerliebste Burgtürmchen bekränzen das Portal, am Eingang steht ein putziger Wächter mit blauer Kappe und langem Spieß, und die konsequent crossgegenderte Jerusalemer Burgbesatzung sieht aus wie ein vom Blitz getroffener Alice-in-Wonderland-Schulbühnen-Cast, zusammengenäht von einer übereifrigen Kunsterzieher*in (Kos­tüme Josa Marx). Tetrarchin Herodes (Lea Draeger) erscheint als schockgefrorene Eiskönigin, ihr Gatte Herodias (Michael Gempart) tattert als bizarr verwahrloster Jubelgreis dazu, Salome beginnt als herzdamenhafte Bonbon­niere verpackt, um sich später als überlebensgroße Nacktstatue nebst lebensechtem Büßerhemdprophet selbst zu verdoppeln. Jochanaan hat sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Bochum: Skandal verbal

Den Anfang macht eine Zirkusnummer: Eine Frau im märchenhaften Kinderkleid wird nur an den Haaren hängend aus der Versenkung in den Bühnenhimmel gezogen, dabei dreht sie sich wie tanzend um sich selbst. Wir sind, so scheint es, in einer Art Kinderbelustigung für Erwachsene. Sechs Gestalten, einheitlich grell geschminkt, kichern und lassen die Zungen kreisen....

Geburtsort: Simferopol

Tschechow natürlich! Sie würde gerne einmal Tschechow spielen, sagt Svetlana Belesova. Fürs Vorsprechen hatte sie den Schlussmonolog der Nina aus der «Möwe» erarbeitet, den Text zweisprachig, Russisch und Deutsch, eingeübt. Das war durchaus ungewöhnlich, aber es überzeugte. Sicher auch, weil diese Nina so viel Svetlana war – und umgekehrt: das Suchen nach einem...

Die schwarze Katze des Theaters

Es gibt derzeit kaum ein Stück, das in derart simplen Lehren aufzugehen scheint wie «Macbeth» von Shakespeare. «Blut will Blut», wie es in der verdunkelten Fassung von Heiner Müller (aus dem Jahr 1972) heißt. Oder auch: «Himmel und Hölle haben einen Rachen / Mein Tod wird Euch die Welt nicht besser machen.» Allerorten wird gerade die Öffnung dieses Höllenrachens...